Jedes fünfte Kind hat starke Ängste

Ob Trennungsängste oder die Angst, sich vor anderen zu blamieren - Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Oft wird die Furcht so groß, dass sie behandelt werden muss.

Ängste können das Leben stark beeinträchtigen. Aber es gibt Hilfe!

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie leidet jedes fünfte Kind in Deutschland unter Phobien, Panikattacken und anderen behandlungsbedürftigen Angststörungen. Besonders häufig sind bei Kindern die Angst vor Isolation und dem Alleinsein, Angst vor Fremden, Schulangst, Versagensangst sowie die Angst vor Objekten (z.B. Hunden, Aufzügen, Spinnen).

Angst – im gewissen Rahmen – gehört eigentlich zum Leben dazu: die Angst der Trennung beim Start in den Kindergarten, das Monster abends unter dem Bett oder die Furcht vor Hunden, wenn das Kind mal von einem ungestümen Vierbeiner umgerannt wurde. Viele Kinderängste wachsen sich von selbst aus, da die Persönlichkeit des Kindes zunehmend stärker und reifer wird. Ängste sind im Grunde auch ein Schutzmechanismus, der uns vor Gefahren bewahrt: Hätten unsere Vorfahren nicht mit Angst beim Anblick des Säbelzahntigers reagiert und daraufhin nicht die Flucht ergriffen, wären sie gefressen worden. Heute schützt uns Angst davor, eine Autobahn zu überqueren oder an einem Abgrund entlang zu schlendern.

Angst kann sogar eine positive Funktion haben: Das Kind, das vor seinem Auftritt angespannt und nervös ist, bringt unter Einfluss des Adrenalinstoßes, der durch die Angst-Reaktion frei wird, erst die ganz besonderen Höchstleistungen.

Doch überschreitet Angst den normalen Rahmen, macht sie krank. Typische Symptome: Das Kind weicht zahlreichen Situationen aus, isoliert sich. Es leidet unter Beklemmungsgefühlen. Dazu kommen Ein- und Durchschlafstörungen sowie körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen, Herzstiche, Atemnot. Auch Rückenschmerzen oder andere Muskelverspannungen sind üblich.

Behandlungsbedürftig sind Ängste dann, wenn sie das Alltagsleben einschränken. Wenn der Tag nicht mehr normal abläuft. Das familiäre Zusammenleben leidet, Kontakt zu Gleichaltrigen existiert nicht oder kaum.

Die Ursachen für Angsterkrankungen sind vielschichtig: Wie Zwillings- und Familienstudien zeigen, spielen die Gene bei der Entstehung von Angsterkrankungen eine gewisse Rolle. Leidet ein Elternteil an einer Angst-Störung, erhöht sich das Erkrankungsrisiko für das Kind um ein Vielfaches.

Kindliche Angststörungen sind fast immer heilbar. Der Kinderarzt ist für die Eltern meist der erste Ansprechpartner. Er wird das Kind an einen Kinderpsychotherapeuten oder an eine Klinik für Kinderpsychiatrie überweisen.

Die Verhaltenstherapie ist bei Kindern die beste Behandlungsmethode. Sie beinhaltet Rollenspiele, Verhaltensübungen und Entspannungstraining. Ziel der Behandlung ist es, die jungen Patienten in die Lage zu versetzen, sich in Angst auslösenden Situationen zu behaupten, ohne ihr etwa auszuweichen. Wenn diese Angstüberwindung gelingt, entsteht Selbstvertrauen.

Besonders bei sehr jungen Patienten ist es wichtig, die Eltern in die Behandlung zu integrieren. Im besten Fall wird die Mutter zur Co-Therapeutin. Viele Mütter haben Mitleid mit ihrem Kind, wenn es Angst hat und wollen es beschützen und im schlimmsten Fall immer vor der Angst auslösenden Situation bewahren. Doch Kinder haben meist mehr davon, wenn sie erleben, dass Ängste zu verkraften sind und wie man mit ihnen umgehen kann.

Was können Eltern tun, wenn ihre Kinder Angst haben?

Verständnis zeigen

Anschreien, auslachen – das sind ungeeignete Methoden. Sagen Sie Ihrem Kind: „Ich verstehe, dass du Angst hast. Angst kann aber jeder verlernen, wenn er in die Situation geht. Auch du kannst sie verlernen. Ich werde dir dabei helfen.“

Vorbild sein

Suchen Sie mit Ihrem Kind zusammen die Situationen auf, die ihm Angst machen. Später ziehen Sie sich langsam zurück und lassen Ihr Kind die Situation allein aufsuchen.

Lob aussprechen

Auch Märchen und Geschichten, in denen ein „Held“ die Situation bewältigt, können hilfreich sein.

Geborgenheit geben

Eine tolle 1. Hilfe Maßnahme bei Ängsten ist Körperkontakt. In den Armen der Eltern finden sie Trost und Sicherheit.

Monster jagen

Es hilft wenig, dem Kind zu sagen, dass es keine Gespenster gibt. Besser: Ernennen Sie das Lieblings-Kuscheltier als Beschützer. Auch ein Hautier kann das Gespenst verschlingen.

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