Mehr Luft zum Leben – Atemnot vorbeugen

Bewegung ist wichtig für Asthmatiker und COPD-Patienten. Mit speziellen Übungen lässt sich die Fitness steigern und Atemnot vorbeugen.

Bewegung trotz Atemnot trotz Atemnot ist es wichtig, nach draußen zu gehen

Viele Wege sind zu weit und Treppen zu steil – Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen kommen schnell aus der Puste. Oft weichen sie jeder noch so geringen körperlichen Belastung aus und werden dadurch immer weniger belastbar. Sport wird häufig ganz vermieden. Die Angst ist groß, dass Anstrengung Atemnot auslösen könnte.

Ein Teufelskreis entsteht, weil sich Schritt um Schritt die Krankheitssituation verschlechtert. Denn Schonung führt zum Abbau von Muskelkraft und Kondition. Die Leistungsfähigkeit sinkt – mit der Folge, dass unter körperlicher Belastung noch früher Atemnot auftritt und man sich noch mehr schont.

Diese Verschlechterung kann aufgehalten werden. Und zwar mit gezieltem Training unter fachlicher Anleitung. Denn bei Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Bronchitis)

ist sportliche Betätigung nicht nur erlaubt, sondern sogar eine wichtige Säule im Behandlungskonzept.

In dem regelmäßigen Bewegungsprogramm verbessert sich die Lungenfunktion und die Atemmuskulatur wird kräftiger. Zudem wird das Herzkreislauf-System gestärkt und die Muskelarbeit verbessert. Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit steigen. Treppen und längere Wegstrecken sind wieder leichter zu bewältigen. Man muss einfach nicht mehr so oft anhalten, um Luft zu schöpfen. Und die wieder gewonnene Fitness bringt neues Selbstvertrauen und Mut.

Richtig eingesetzt hebt sportliche Betätigung die Lebensqualität bei COPD-Patienten und ermöglicht es sogar einigen Menschen mit Asthma sportliche Höchstleistungen zu erzielen. Das beweisen nicht zuletzt zahlreiche Spitzensportler (z.B. Jan Ullrich, Sandra Völker), ja sogar Olympiasieger wie Mark Spitz, die an dieser Atemwegserkrankung leiden. Denn neben der körperlichen Fitness verbessert sich durch die bessere Lungenfunktion die Atmung unter Belastung, das heißt die keuchende Atmung wird seltener beziehungsweise geringer. Dadurch werden die Hustensensoren weniger gereizt und es kommt nicht mehr so schnell und heftig zum Husten.

Um Komplikationen zu vermeiden, sollte jede sportliche Aktivität vorab mit einer Untersuchung bei einem Lungenfacharzt (Pneumologe) einhergehen. So kann die Belastbarkeit ermittelt und ein individueller Trainingsplan zusammengestellt werden.

Gut eingestellte Asthmatiker können sogar am Breitensport teilnehmen. Für Patienten mit COPD und starkem Asthma empfiehlt sich dagegen der sogenannte Lungensport. In Deutschland gibt es inzwischen etwa 650 Lungensportgruppen, die von ausgebildeten Fachkräften geleitet werden. So kann gezielt auf die verschiedenen Atemwegs- und Lungenerkrankungen und deren Schweregrade eingegangen werden.

Lungensport beginnt ganz langsam. Jeder kann mitmachen, keiner ist überfordert. Je nach Belastbarkeit ist es ideal, wenn man mehrmals pro Woche Lungensport betreibt. Eine „Lungenstunde“ besteht aus verschiedenen Teilen:

Erhebung der Befindlichkeit. Jeder Teilnehmer berichtet, wie die vergangene Woche verlaufen ist und wie es ihm heute geht. Wichtig ist auch, ob man kurz zuvor viel gehustet hat. Der aktuelle Peak-Flow-Wert spielt ebenfalls eine Rolle, wenn es darum geht festzulegen, welche Übungen ein Teilnehmer machen kann.

Gymnastikphase. Die eigentliche Trainingsstunde startet mit Gymnastik. Sie dient der Erwärmung der Muskulatur und zur Lockerung des Bronchialsekrets.

Funktionelles Bewegen. Die Lungensportler lernen sich „richtig“ zu bewegen, hinzusetzen, hinzulegen, aufzustehen und zwar nicht nur mit Rücksicht auf ihr Kreuz, sondern vor allem mit der richtigen „Atemtechnik“.

Krafttraining. Durch die Erkrankung und die fehlende Aktivität hat die Kraft der Muskeln abgenommen. Nun werden sie wieder gestärkt. Beim Krafttraining im Bauch- und Brustkorbbereich geht es vor allem darum, die Hustenmuskulatur zu kräftigen. So kann man effektiver husten und erschöpft nicht so schnell.

Ausdauertraining. Um wieder in Schwung zu kommen und belastbarer zu werden, soll die Ausdauer trainiert werden. Am besten eignet sich das ganz normale Lauftraining. Die Teilnehmer werden dabei mittels Pulsoxymetrie (Messung von Puls und Sauerstoffsättigung) und Peak-Flow-Messung überwacht.

Intervalltraining. Mit dieser Trainingsmethode ist es auch für Patienten, die glauben sich kaum mehr belasten zu können möglich, mit dem Lungensport zu beginnen und sich langsam zu steigern. Einer Belastung von zirka 30 Sekunden folgt eine belastungsfreie Zeit von 30 bis 60 Sekunden. Laufen und Stehen bleiben beziehungsweise Ausruhen wechseln sich ständig ab.

Beweglichkeitstraining. Der Brustkorb soll wieder elastischer werden. Je beweglicher der Brustkorb ist, desto leichter fällt das Atmen. Beispiel: Man setzt sich auf einen Hocker und schlägt die Beine übereinander (damit sich die Lendenwirbelsäule nicht mitbewegen kann). Nun wird die Brustwirbelsäule langsam nach rechts und links gedreht.

Die Entspannungsphase. Mit gegenseitiger Igelball-Massage oder Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder Autogenes Training klingt die Übungsstunde aus.

Tipps und Tricks für Lungensportler

Notwendige Medikamente rechtzeitig vor dem Sport einnehmen.

Vor dem Sport immer den Peak-Flow-Wert messen.

Für den Notfall immer ein „Notfall-Spray“ in der Tasche haben.

Möglichst nicht allein Sport treiben oder ein Mobiltelefon dabei haben.

Die Nasenatmung sollte solange wie möglich beibehalten werden.

Bei Erkältungen und Allergenbelastungen (z.B. Pollen) sollte der Körper geschont werden.

Einengende Kleidung vermeiden.

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