Bypass und Stent

Brustschmerzen und Atemnot sind typische Beschwerden bei Herzenge. Die Krankheit ist lebensgefährlich. Werden die verengten Herzkranzgefäße nicht schnellstens erweitert, droht ein HerzinfarktZwei unterschiedliche Behandlungsmethoden haben sich etabliert, um die Durchblutung des Herzmuskels wieder zu gewährleisten: Bypass und Stent.

Um einem Herzinfarkt wegen Herzenge vorzubeugen gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten

Beim Bypass wird eine Art „Umgehungsstraße“ um das kranke Herzkranzgefäß „gebaut“ – und zwar mit einer körpereigenen Vene oder Arterie, die zum Teil aus dem Bein entnommen wird. Die Operation findet am offenen Herzen statt. Die lebenswichtige Versorgung des Herzmuskels mit Blut und Sauerstoff funktioniert anschließend wieder.

Beim Stent wird das verengte Gefäß mit einem Drahtgeflecht erweitert. Ein kleiner Schnitt in der Leiste genügt. Durch ein Blutgefäß wird ein Katheter quer durch den Körper bis ins Herz geführt. Unter Röntgenkontrolle wird Kontrastmittel in die Herzgefäße spritzt. Ist der Engpass sichtbar, wird die Gefäßstütze eingeführt. Das Drahtkorsett soll die Ader dauerhaft offen halten.

Eine Studie zeigt, dass der Bypass dem Stent überlegen ist. Die Patienten, die mit einem Bypass versorgt worden waren, lebten im Durchschnitt länger als die Patienten, die einen Stent erhalten hatten.Diese Studie hat leider bei vielen Patienten zur Verwirrung und zu Ängsten geführt, denn es werden in Deutschland sehr viel mehr Stents als Bypässe eingesetzt.

Die Zahlen: Im Jahr 2010 wurden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Thora-, Herz- und Gefäßchirurgie rund 56.000 Bypassoperationen in Deutschland durchgeführt und rund 326.000 Herzkathetereingriffe, bei denen oft ein Stent eingesetzt wird.

Man darf auch nicht vergessen, dass sich das Studienergebnis auf Krankheitsfälle bezieht, bei denen alle drei Herzkranzgefäße betroffen waren. Ist nur ein Herzkranzgefäß betroffen, kann der Stent sogar besser als der Bypass sein, wie eine andere Studie zeigt.

Tatsächlich habe jedes Verfahren seine Berechtigung. Jede Methode hat ihre Stärken und Schwächen. Man kann daher nur im Einzelfall entscheiden, ob ein Bypass oder Stent für den Patienten das Beste ist. Im Notfall, bei einem akuten Herzinfarkt, ist ohnehin oft keine Zeit, einen Bypass zu legen. Hier geht es ums Überleben und in solchen Fällen wird meist zügig ein Stent eingesetzt.

Das Hauptproblem beim Stent: Man muss anschließend darauf achten, dass sich der Stent nicht wieder verschließt. Um das zu verhindern wurden Stents entwickelt, die mit Medikamenten beschichtet sind. Ein Zellgift soll verhindern, dass das Gefäß wieder zuwächst.

Die Unterschiede zwischen Bypass und Stent

Stent Bypass
Wird vom Kardiologen gemacht Wird vom Herzchirurgen gemacht
Wird ambulant durchgeführt bzw. sehr kurzer Krankenhausaufenthalt (Katheter wird über die Leiste eingeschoben und bis zum Herzen geführt) Längerer Krankenhausaufenthalt notwendig, da eine Operation am offenen Herzen durchgeführt wird
Lokale Betäubung Vollnarkose notwendig
Keine Operationsnarbe Schnitt im Brustbereich, dadurch spätere Narbe
Der Patient ist meist schneller wieder fit Es braucht eine Weile bis alles verheilt ist
Eignet sich bei leichteren Herzkranzgefäßerkrankungen Eignet sich besonders bei mittleren und schweren Herzkranzgefäßerkrankungen
Hat sich bewährt, wenn ein oder zwei Herzkranzgefäße betroffen sind Hat sich vor allem bewährt, wenn drei Herzkranzgefäße betroffen sind
Stent kann nach einiger Zeit wieder verschließen. Ein erneuter Eingriff ist notwendig Bypass löst das Herzproblem meist dauerhaft
Weniger belastender Eingriff und daher für alte Menschen oft die bessere Alternative bzw. für Menschen mit schweren Nebenerkrankungen Größerer Eingriff, der belastend für den Körper ist

 

Hintergrund

So funktioniert das Herz

Das Herz ist ein Hohlmuskel. Es hat die Aufgabe Blut durch den Körper zu pumpen und damit die lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Das Herz pumpt beim Gesunden in Ruhe 6 Liter Blut pro Minute und unter Belastung 12 bis sogar 20 Liter pro Minute (z.B. bei Sportlern). Das entspricht eine Tagesleistung von rund 15.000 Litern. Die Energie für diese enorme Leistung erhält das Herz über die so genannten Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel kranzartig umgeben.

 

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