Forscher entwickeln neue Hornhaut

Rund 40 000 Menschen in Deutschland haben eine beschädigte Hornhaut. Die Hornhaut ist das Fenster vorne am Auge, durch das man die farbige Iris und die schwarze Pupille sieht. Im gesunden Zustand ist sie glasklar, glatt und lässt wie ein Fenster Licht ins Auge. Sie wirkt aufgrund ihrer leicht gewölbten Form wie ein Brennglas und hilft, die Lichtstrahlen auf dem Weg zur Netzhaut zu brechen. Sie schützt das Auge mit einem Tränenfilm und sorgt dafür, dass man scharf sehen kann.

Es wird an immer besseren Möglichkeiten geforscht, die Hornhaut künstlich zu ersetzen. Da viele Menschen eine neue Hornhaut brauchen, entwickeln Forscher immer bessere künstliche Ersätze.

Ist die Hornhaut beschädigt, hat das große Auswirkungen: Die Patienten sehen die Welt nicht mehr scharf. Vielmehr erscheinen Schleier, Doppelbilder, Schatten oder Verzerrungen.

Es gibt mehrere mögliche Ursachen für Hornhauterkrankungen: Verletzungen mit anschließender Narbenbildung gehören zu den häufigsten. Auch Entzündungen am Auge können zu Narben führen, die nicht mehr mit Medikamenten zu behandeln sind. Dies kommt zum Beispiel nach einer Infektion der Hornhaut mit Herpesviren vor. Aber auch altersbedingt oder nach operativen Eingriffen kann es zu Hornhautveränderungen kommen.

Sind erst einmal Eintrübungen vorhanden, bilden sich diese in der Regel nicht mehr zurück. Ab einem gewissen Stadium hilft nur noch eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik).

Verwendet werden dafür Spenderhornhäute von Verstorbenen. Unter dem Operationsmikroskop wird ein kreisrundes Scheibchen aus der erkrankten Hornhaut geschnitten. Dann wird ein exakt gleich großes Scheibchen aus der Spender-Hornhaut ausgeschnitten und in die entstandene Öffnung im Empfängerauge mit Hilfe feinster Nähte eingenäht.

Abstoßungsreaktionen wie bei anderen Organtransplantationen sind selten. Grund: In der Hornhaut gibt es keine Blutgefäße, denn die Hornhaut wird über das Tränensekret ernährt. So kommen die Immunzellen erst gar nicht mit dem Transplantat in Verbindung.

Pro Jahr werden in Deutschland etwa 5000 Hornhauttransplantationen durchgeführt. Der Bedarf ist damit aber nicht annähernd gedeckt. Denn rund 8000 Menschen stehen auf der Warteliste. Das Problem: Ohne Organspendeausweis darf einem Toten keine Hornhaut entnommen werden. Die Augenärzte fordern für die Hornhaut eine Widerspruchslösung. Sie wollen, dass man die Hornhaut immer einem Toten entnehmen darf – es sei denn, der Mensch hatte vor seinem Tod dagegen widersprochen.

Um dem Mangel an Ersatzhornhäuten weiter entgegenzuwirken, arbeiten Forscher zurzeit an der Weiterentwicklung von künstlichen Hornhäuten. Künstliche Hornhäute gibt es schon länger. Es werden jedoch immer bessere Kunststoffprodukte entwickelt. Man kann mit ihnen recht gut sehen.

Ganz neu: Biologisch „gezüchtete“ Hornhäute. Tierversuche sind bereits abgeschlossen. In Stockholm setzt ein Forscherteam diese Bio-Hornhäute bereits bei Menschen ein. Die ersten Ergebnisse zeigen aber, dass man noch nicht sehr gut damit sehen kann. Es muss noch weiter geforscht werden bis diese biologischen Hornhäute breit einsetzbar sind.

Das dauert bestimmt noch einige Jahre.

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