Gebärmutterentfernung – vorher genau informieren

Die Gebärmutterentfernung zählt mittlerweile zu einem der häufigsten Eingriffe. In einigen Fällen ist sie auch angebracht. Doch oft wird die Operation vorschnell durchgeführt.

Auch bei abgeschlossener Familienplanung sollte eine Gebärmutterentfernung gut überlegt sein

Etwa 150 000 Gebärmutterentfernungen gibt es pro Jahr in Deutschland. In den USA sind es sogar 500 000 jährlich. Kaum ein anderer Eingriff ist weltweit so häufig. Kritische Frauen und Ärzte schlagen Alarm: Ihrer Ansicht nach sind bis zu 80 Prozent dieser Operationen überflüssig.

Eine Schweizer Studie zeigt, dass männliche Gynäkologen doppelt so häufig zu einer Gebärmutterentfernung raten wie Ärztinnen. Und: Je besser Patientinnen aufgeklärt sind, desto seltener verlieren sie ihre Gebärmutter.

Natürlich kann die Frau nach der Gebärmutterentfernung keine Kinder mehr bekommen. Aber auch wenn die Familienplanung abgeschlossen oder die Frau schon älter ist, sollte man den Eingriff nicht vorschnell durchführen. Die Gebärmutter ist nicht nur für Schwangerschaften wichtig, sondern auch für die weibliche Identität. Viele Frauen haben nach einer Gebärmutterentfernung das Gefühl, ein Stück ihrer Weiblichkeit oder auch ihre Mitte verloren zu haben. Sie werden depressiv oder klagen mitunter auch über körperliche Folgen wie Gleichgewichtsstörungen.

Außerdem kann es zu hormonellen Problemen kommen – selbst dann, wenn die Eierstöcke erhalten geblieben sind. Untersuchungen zeigen, dass betroffene Frauen vier Jahre früher in die Wechseljahre kommen – verursacht durch die verminderte Durchblutung der Eierstöcke. Auch die Sexualität kann sich verändern, weil die Frau zum Beispiel die Kontraktionen der Gebärmutter nicht mehr spürt oder Narbenschmerzen hat. Viele Frauen leiden als Folge der OP unter Senkungsbeschwerden und Inkontinenz. Wichtig: Diese Folgen können, müssen aber nicht auftreten. Sie sollten allerdings bei der Überlegung, ob man die Gebärmutter entfernen lässt, einbezogen werden.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Ärzte eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) empfehlen. Der häufigste Grund sind Myome. Dicht gefolgt von Blutungsstörungen, vor allem sehr starke Blutungen vor der Menopause sowie eine Gebärmuttersenkung oder Unterleibsschmerzen. Die Unterleibsschmerzen wiederum können ebenfalls verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Endometriose.

Oft wird der Frau dann gesagt, mit einer Gebärmutterentfernung sei ihr Problem schnell behoben. Einige Ärzte sagen, die Gebärmutterentfernung sei sinnvoll als Prophylaxe in Hinblick auf eine mögliche spätere Krebserkrankung. Wenn das gesamte Organ entfernt ist, könnten Frauen keinen Gebärmutterkrebs mehr bekommen.

Doch die Unterleibsbeschwerden können oft auf andere Art beseitigt werden. Beispiel Myome: Die Frau könnte Hormone nehmen, sich für eine naturheilkundliche Behandlung entscheiden oder die Myome auf schonende organerhaltende Art entfernen lassen. Bei einer Gebärmuttersenkung empfiehlt sich zunächst Beckenbodentraining. Gerade Unterleibsprobleme können auch psychische Ursachen haben. Durch Stress oder Ängste können starke Blutungen ausgelöst werden. In diesem Fall wäre eine Verhaltenstherapie die beste Behandlungsmethode.

Tatsächlich besteht nur in sehr wenigen Fällen eine eindeutige medizinische Notwendigkeit, die Gebärmutter zu entfernen. Und zwar bei Krebs oder wenn die Beschwerden extrem stark sind und keine anderen Behandlungen von Erfolg gekrönt waren. Wichtig: Der Eingriff sollte nicht vorschnell erfolgen und man sollte mindestens zwei, besser drei Ärzte unabhängig voneinander um Rat fragen. Eine gute Klinik wird – sofern es das Krankheitsbild zulässt – immer eine gebärmuttererhaltende Operation bevorzugen.

Es gibt verschiedene Operationsverfahren. Bei der abdominalen Gebärmutterentfernung wird die Gebärmutter durch einen Bauchschnitt entfernt und die Vagina durch eine Naht verschlossen. Diese Operation wird häufig bei Krebs angewandt oder wenn die Eierstöcke ebenfalls erkrankt sind und gleichzeitig entfernt werden müssen.

Körperlich viel weniger belastend ist die vaginale Gebärmutterentfernung, die heute üblichste Art der Operation. Dabei wird die Gebärmutter von der Vagina aus – also ohne Bauchschnitt – entfernt. Das Ende der Vagina wird mit einer Naht verschlossen. Nach dem Eingriff hat man keine äußerlich sichtbaren Narben.

Eine weitere Operationstechnik ist die laparoskopisch assistierte vaginale Gebärmutterentfernung. Diese Technik wird zunehmend angewandt. Durch kleine Schnitte im Bauch werden mikrochirurgische Instrumente und eine Minikamera in den Bauch eingeführt. Die Gebärmutter wird innerhalb des Bauches zerkleinert und anschließend durch die Vagina entfernt. Diese Operation erfordert ein großes Können des Operateurs und wird bei einer Krebsdiagnose fast nie angewandt, da die Gefahr besteht, dass sich Krebszellen absiedeln.

Befragungen zeigen: Frauen, die sich vor der Gebärmutterentfernung gut informiert haben, bereuen den Eingriff hinterher auch nicht. Im Gegenteil, diese Frauen freuen sich, dass sie ihren starken Leidensdruck los sind. Ihre Lebensqualität hat sich enorm verbessert. Die Frauen berichten, dass es ihnen so gut geht wie nie zuvor. Aber wohlgemerkt: Das betrifft Frauen mit vormals starken Beschwerden, die nicht auf andere Art beseitigt werden konnten.

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