Gicht – nicht nur an den Zehen

Bei Gicht denkt fast jeder sofort an geschwollene schmerzende Zehen. Doch die Krankheit kann sich auf verschiedene Weise manifestieren. Zum Beispiel am Knie, am Daumen oder sogar an inneren Organen wie die Niere.

Gicht verursacht meist Schmerzen in den Zehen.

Die Krankheit Gicht entsteht, wenn zu viel Harnsäure im Körper ist. Jeder Mensch bildet Harnsäure in seinem Körper – sie ist ein Abbauprodukt des Zellstoffwechsels und wird normalerweise zu zwei Dritteln über die Nieren und zu einem Drittel über den Darm ausgeschieden. Bei Patienten mit Gicht funktioniert das jedoch nicht optimal. Die nicht ausgeschiedene Harnsäure lagert sich in Form von Kristallen in Gelenken ab.

Da die Harnsäure im Blut zirkuliert, kann sie sich theoretisch auch überall im Körper ablagern und dort Schmerzen verursachen. Am häufigsten ist tatsächlich der große Zeh betroffen. Warum das so ist, weiß bis heute niemand genau. Am zweithäufigsten findet man Gicht im Knie oder Sprunggelenk. An dritter Stelle im Daumengelenk. Sogar im Bereich der Augen können sich Kristalle aus Harnsäure ablagern. Das kommt aber sehr selten vor.

Patienten, bei denen die Gicht nicht an der Großzehe auftritt, haben oft eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich – bis endlich die richtige Diagnose gestellt wird. Denn selbst Ärzte kommen bei Schmerzen am Ellenbogen, Weichteilen oder inneren Organen selten darauf, dass es sich um Gicht handeln könnte. Tatsächlich können die Symptome auf viele verschiedene Krankheiten hindeuten.

Eine genaue Anamnese ist hier besonders wichtig. Bei Gichtpatienten lässt sich eine große Menge Harnsäure im Blut nachweisen. Erhöhte Harnsäurewerte führen nicht zwangsläufig zur Gicht; sie stellen lediglich die biochemische Grundlage dar. Mit der Höhe der Harnsäurekonzentration steigt aber die Wahrscheinlichkeit eines Gichtanfalls. Der Grenzwert liegt bei 6,5 mg/dl Blut, da hier die Löslichkeitsgrenze der Harnsäure erreicht ist. Bei Werten über 6,5 mg/dl kann es zur Bildung von Kristallen kommen, die sich an den Gelenken ablagern können.

Wenn nur geringste Zweifel bestehen, dass es sich um Gicht handeln könnte, sollte eine Punktion an der schmerzenden Stelle durchgeführt werden. Der Arzt sticht eine winzige Kanüle in die Haut und entnimmt eine Gewebeprobe. Bei Gicht sieht der Arzt unter dem Mikroskop winzige Kristalle.

Bei einem akuten Gichtanfall verschreibt der Arzt meist ein Antirheumatikum, das entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt. Außerdem wird dem Patienten geraten, seine Ernährung umzustellen und ein eventuell vorhandenes Übergewicht abzubauen. Vor allem auf zu viel Fleisch und Innereien sollte man verzichten. Diese Lebensmittel enthalten sehr viele so genannte Purine. Nahrungspurine werden im menschlichen Körper zu Harnsäure abgebaut.

Da Alkohol die Harnsäureausscheidung über die Niere hemmt, empfiehlt es sich, möglichst wenig davon zu trinken. Besser sind zum Beispiel Wasser oder Saftschorlen. Viel zu trinken ist wichtig, da dadurch die Ausscheidung der Harnsäure beschleunigt wird.

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