Hörschwäche – so bleiben Ihre Ohren fit

Sich mit dem Partner unterhalten, den Kindern zuhören, mit der Freundin telefonieren – gut hören können ist wichtig, um mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben und um am sozialen Leben weiter teilzunehmen. Lässt das Hörvermögen nach, sollte daher schnell gehandelt werden. Das schont die Psyche.

Hörschwäche Hören Sie noch das Schnurren der Katze? Gut hören können ist wichtig - auch für die kleinen Dinge des Lebens

Meist kommen die ersten Hinweise von den Angehörigen: „Musst du den Fernseher so laut stellen?! Du hörst wohl nicht mehr so gut?!“ Der Betroffene selbst ist von solchen Bemerkungen gar nicht begeistert. Die meisten leugnen anfangs, dass sie nicht mehr so gut hören können, wollen es einfach nicht wahrhaben. Denn Hörstörungen werden immer noch häufig als ungeliebtes Zeichen des Altwerdens angesehen, ja teilweise sogar mit Dummheit gleichgesetzt.

Es fängt ab dem 50. Lebensjahr an

Doch falsche Scham ist fehl am Platze. Schließlich leiden rund 15 Millionen Menschen in Deutschland unter einer Hörstörung. Und: Nicht nur alte Menschen sind betroffen. Es fängt oft schon ab dem 50. Lebensjahr an. Dass viele Menschen erst um die 60 Jahre herum dann ein Hörgerät tragen, liegt allein daran, dass meist bis zu 10 Jahre vergehen, bis sich der Betroffene durchringen kann, mal etwas gegen die Hörschwäche zu unternehmen.

Doch wer das Problem auf die lange Bank schiebt, tut sich keinen Gefallen und quält sich in erster Linie selbst. Zahlreiche Studien zeigen: Die Lebensqualität sinkt, wenn man nicht mehr so gut hört. Schwerhörige leiden nachweislich unter schlechten sozialen Beziehungen. Unsicherheit und Misstrauen prägen den Alltag, weil man Unterhaltungen nicht mehr so gut folgen kann.

Hörprobleme können zu Streit führen

In der Partnerschaft kann es zu Streitereien kommen. Ständig laut reden, das Gesagte noch einmal wiederholen, Dinge richtigstellen – das nervt jeden auf Dauer. Besonders schlimm: Man hat das Gefühl, dem anderen nur zur Last zu fallen. Das macht traurig und manchmal auch depressiv. Auch mit dem Freundes- und Bekanntenkreis sind Probleme vorprogrammiert: Viele Betroffene fürchten Telefonanrufe, zittern vor Gesprächen am ganzen Körper, fühlen sich hilflos wie ein Kind. Aus Angst, Unterhaltungen sowieso nicht folgen zu können, ziehen sie sich schließlich zurück. Der Freundeskreis wird kleiner. Zur Tortur können ebenfalls Tätigkeiten wie Einkaufen, Busfahren oder Arztbesuche werden. Die Betroffenen müssen sich bei Gesprächen extrem konzentrieren, bekommen nur Bruchstücke mit, müssen alles wie ein Puzzle zusammensetzen. Das ist unheimlich anstrengend.

Die Gefahr der Isolation

Im schlimmsten Fall isoliert sich der Mensch völlig, wird depressiv, ärgerlich, ängstlich. Langfristig kann die Hörstörung zu einem reduzierten Sprachverständnis führen. Man hört sich ja auch selbst nicht so gut, weiß irgendwann nicht mehr, wie sich korrekte Sprache eigentlich anhört. Es kann also sein, dass man sich eines Tages selbst nicht mehr so gut artikulieren kann. Die Stimme wird verwaschener.

Doch so weit muss es nicht kommen: Besteht der Verdacht, dass Sie nicht mehr so gut hören wie früher, sollten Sie Ihr Hörvermögen beim Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO) prüfen lassen. Mit verschiedenen Hörtests kann dieser feststellen, was sich hinter der Hörminderung verbirgt. Manchmal handelt es sich nur um zuviel Ohrenschmalz. Ist das entfernt, hört man wieder richtig. Auch eine Infektion, die auf ein Ohr geschlagen hat, kann Ursache einer Hörstörung sein. Hier gilt es, das Grundleiden zu beseitigen. Ebenfalls möglich: Ohrprobleme wegen Nebenwirkungen von Medikamenten. Das Ergebnis der Höruntersuchung kann aber auch sein: Das Hörvermögen hat sich tatsächlich verschlechtert. Ein Hörgerät muss her, um wieder voll am Leben teilnehmen zu können.

Das Problem: Das Image von Hörgeräten ist nicht gerade gut. Viele Apparate landen nach der Anpassung in der Schublade. Manchmal sind es auch die Partner, denen es peinlich ist, wenn der andere auf einmal ein Hörgerät trägt. Sie weigern sich, mit dem anderen ins Theater oder auf Partys zu gehen.

Ein Hörtraining kann helfen

Wichtig: Das Hörgerät sollte selbstbewusst getragen werden. Der Betroffene sollte das Gerät nicht verheimlichen oder verstecken. Sinnvoll ist ein so genanntes Hörtraining. Ein Hörgerät ist immer gewöhnungsbedürftig. Am Anfang gibt es meist Schwierigkeiten. Denn mit dem Hörgerät hört man etwas anders. Damit rechnen viele Menschen nicht. Die Betroffenen sind überfordert oder enttäuscht.

Beim Hörtraining wird vor allem die Motivation gefördert, ein Hörgerät zu tragen. Wichtig ist auch ein Kommunikationstraining, um gegebenenfalls wieder deutlicher sprechen zu lernen. Außerdem können die Betroffenen Alltagsgeräusche neu entdecken. Viele Menschen haben jahrelang kein Blätterrauschen oder Vogelzwitschern mehr gehört. Daran müssen sie sich erst wieder gewöhnen.

Wer wieder gut hört, hat eine eindeutig höhere Lebensqualität. Studien zeigen, dass Menschen mit Hörgeräten die zwischenmenschlichen Beziehungen zur Familie wieder verbessern, emotional stabiler werden. Ärger und Frustration verringern sich. Man entwickelt wieder Vertrauen in andere Menschen und die unmittelbare Umgebung. Das Leben macht wieder mehr Spaß.

Tipps um einer Hörschwäche vorzubeugen

Hörschwäche – eine Alterskrankheit?

Bis ins hohe Alter gut hören – das ist durchaus möglich. Denn Hörschwäche ist eigentlich keine Alterskrankheit, die jeden irgendwann trifft. Dass immer mehr und immer jüngere Menschen unter Hörproblemen leiden, liegt vor allem daran, dass wir zunehmend Lärm ausgesetzt sind. Wer seine Ohren vor Krach nicht schützt, ruiniert auf Dauer die feinen Haarzellen im Innenohr. Irgendwann geben diese dann in der Tat ihren „Geist“ auf. Außerdem ernähren sich viele Menschen zu ungesund. Arterienverkalkung und Durchblutungsmangel sind die langfristigen Folgen, die auch zu einer Hörschwäche führen können. Eine Hörstörung kann auch psychische Ursachen haben: Stress schädigt ebenfalls die Blutgefäße – zumindest dann, wenn er dauerhaft negativ ist. Es kann zu einer akuten Durchblutungsstörung (Hörsturz) kommen. Ohrgeräusche (Tinnitus) oder eine langfristige Hörschwäche sind mögliche Folgen.

So bleiben Ihre Ohren fit

▪ Tragen Sie immer einen Hörschutz, wenn Ihre Ohren starkem Lärm ausgesetzt sind – egal ob es sich um ein lautes Konzert, die Bohrmaschine oder einen Rasenmäher handelt.

▪ Gönnen Sie Ihren Ohren genug Ruhepausen.

▪ Ernähren Sie sich gesund. Obst und Gemüse sollten täglich auf dem Speiseplan stehen. So bleiben Ihre Blutgefäße fit. Fett sollten Sie reduzieren.

▪ Trinken Sie genug. Mindestens zwei Liter täglich. So kann das Blut besser fließen und auch die kleinen Ohrgefäße besser versorgen.

▪ Vermeiden Sie Nikotin. Denn Nikotin verengt die Blutgefäße und kann sie schließlich ganz verstopfen. Betroffen sind davon dann zuerst die ganz feinen Blutgefäße im Ohr.

▪ Trinken Sie höchstens ein bis zwei Tassen Kaffee am Tag – vor allem dann, wenn Sie schon mal Probleme am Ohr hatten (Hörsturz). Denn Koffein verengt ebenfalls die Blutgefäße.

▪ Durchblutungsfördernde Mittel (zum Beispiel Gingko-Präparate) können für Patienten sinnvoll sein, die bereits mal ein Hörproblem hatten.

Was Sie sonst noch tun können – alternative Methoden gegen Hörschwäche

Menschen, die ein Hörgerät tragen, müssen sich sehr beim Hören konzentrieren. Sie schauen den anderen sehr genau an, verfolgen Augen und Mund, um auch alles mitzubekommen. Das ist sehr anstrengend für Augen und Nacken. Es kann zu schlimmen Verspannungen und auch Erschöpfungszuständen kommen. Da können Entspannungsverfahren wie die Muskelentspannung nach Jacobsen, Autogenes Training oder die Feldenkrais-Methode sehr hilfreich sein. Auch Qi Gong oder andere fernöstliche Methoden versprechen Hilfe. Wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie in einen speziellen Kurs für Menschen mit Hörgeräten gehen. Denn dort wird man auf Ihre speziellen Bedürfnisse eingehen!

Tipps für Hörgeschädigte im Umgang mit anderen

  1. Weisen Sie Ihren Gesprächspartner auf Ihre Hörminderung hin, damit er weiß, dass er deutlich sprechen muss.
  2. Verstecken Sie Ihr Hörgerät nicht. Tragen Sie es sichtbar und auch selbstbewusst.
  3. Beobachten Sie beim Zuhören das Gesicht des anderen. Bitten Sie gegebenenfalls, dass man sich Ihnen zuwendet oder sich mehr ins Licht stellt.
  4. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran: Sprechen Sie selbst langsam und deutlich.
  5. Wenn Sie etwas nicht verstanden haben: Bitten Sie, das Gesagte zu wiederholen.
  6. Genieren Sie sich nicht, wenn Sie doch mal etwas falsch verstanden haben. Nehmen Sie es mit Humor.

Gut Hören – Tipps zur Selbstdiagnose

Ob man gut hört oder nicht, ist oft schwer festzustellen. Treffen mehrere der folgenden Punkte zu, sollten Sie Ihr Gehör beim HNO-Arzt testen lassen:

▪ Häufiges Überhören des Telefons oder der Türklingel

▪ Gefühl, die Gesprächspartner nuscheln oft

▪ Häufiges Nachfragen

▪ Erschwertes Hören in lauter Umgebung (Restaurant, Bahnhofshalle)

▪ Probleme im Straßenverkehr

▪ Nachbarn beschweren sich über zu laute Musik, zu lauten Fernseher

▪ Überhören von Naturgeräuschen und Alltagsgeräuschen (Vogelgezwitscher, Kaffeemaschine)

 

 

2 Kommentare zu Hörschwäche – so bleiben Ihre Ohren fit

  1. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Den Tipp werde ich einmal befolgen und zum Hals Nasen Ohrenarzt gehen. Es sollte mehr solcher interessanten Inhalte geben.

  2. Vielen Dank für den interessanten Artikel über Hörtraining. Ich finde das Thema sehr spannend und habe im Internet auch schon einige gute Seiten gefunden.

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