Juckreiz – ein Symptom, viele Ursachen

Ständiger Juckreiz kann das Leben zur Qual machen. Wider besseren Wissens kratzt man sich – und dadurch wird alles nur noch schlimmer. Die Haut wird rot und entzündet sich. Für die Behandlung ist es wichtig, genau nach den Ursachen zu forschen.

Zu häufiges kratzen schadet der Haut auf dauer. Häufig wird ein Juckreiz durch trockene Haut verursacht und es entsteht ein Teufelskreis.

Hör doch endlich auf, dich zu kratzen“, „Hast du Flöhe oder was?“ – Sprüche, die Menschen mit Juckreiz oft über sich ergehen lassen müssen. Erst versuchen die Betroffenen zu erklären, dass eben die Haut so sehr juckt. Doch irgendwann sind sie es leid. Die Folge: Entnervt ziehen sie sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Im schlimmsten Fall gehen sie noch nicht einmal zum Arzt, weil ihnen die Sache zu peinlich ist.

Doch Scham ist Fehl am Platze. Juckt die Haut länger als ein paar Tage, sollte man immer zum Hautarzt gehen. Der Arzt wird den Patienten genau befragen und untersuchen. Zu Beginn wird in einem Gespräch ganz ausführlich die Vorgeschichte erhoben. Fragen sind zum Beispiel: „Wann hat der Juckreiz begonnen? Welche allgemeinen Erkrankungen sind vorher aufgetreten? Welche Medikamente wurden neu eingenommen? Wann ist der Juckreiz am schlimmsten? Wie wird Ihre Lebensqualität eingeschränkt?“ Anschließend an dieses Gespräch wird die Haut untersucht und individuell ein Programm zur Ursachensuche erstellt, was unter anderem Blut-, Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen und je nach Hautzustand auch Hautbiopsien beinhalten kann.

Ständiger Juckreiz kann viele verschiedene Ursachen. Möglich sind:

Trockene Haut

Eine der häufigsten Ursachen für quälenden Juckreiz ist trockene Haut. Denn trockene Haut führt zu Spannungen auf der Hautoberfläche. Dadurch gibt es mikroskopisch feine Risse, die Haut entzündet sich. Sie wird rot, schuppt sich. Ein Teufelskreis entsteht: Wenn es juckt, kratzen wir uns. Doch das hilft oft nicht. Im Gegenteil: Es juckt oft noch mehr. Der Grund: Es werden Juckauslöser freigesetzt (z.B. Histamin). Oder Bakterien und andere Erreger von Hautinfektion werden so in die Haut gebracht. Um den Juckreiz zu stillen, hilft nur eins: Man cremt die betreffenden Stellen am besten ein. Vorteilhaft sind Pflegecremes mit Harnstoff. Er bindet Feuchtigkeit und schützt die Haut damit vor weitere Austrocknung. Zur Vorbeugung: Nicht zu lange und zu heiß duschen. Drei bis fünf Minuten täglich sollten reichen. Zum Waschen ein mildes Babywaschgel nehmen oder ein Duschgel mit dem pH-Wert 5,5. So wird der Säureschutzmantel der Haut nicht zerstört.

Neurodermitis

Ein unerträglicher Juckreiz ist Hauptsymptom der Hautkrankheit Neurodermitis. Die Haut ist entzündet, rot und schuppig. Durch das Kratzen entstehen Entzündungen, die wiederum den Juckreiz steigern. Die Standardtherapie:

Durch regelmäßiges Eincremen muss der verminderte Wasser- und Fettfilm der Haut verbessert werden. Zusätze wie Harnstoff oder D-Panthenol verstärken die gewünschte Wirkung. Bei einer akuten Verschlechterung wird oft eine kortisonhaltige Salbe gegeben. Diese wirkt entzündungshemmend und lindert so den Juckreiz. Manchmal werden auch Antihistaminika gegeben. Wenn die Haut heftig juckt, liegt das am körpereigenen Boten- und Entzündungsstoff Histamin. Antihistaminika als Tablette drosseln seine Produktion.

Nesselfieber

Sie ist auch unter den Namen Nesselsucht, Quaddelsucht oder Urtikaria bekannt. Nesselfieber ist leicht zu erkennen. Die Haut sieht aus, als habe man in Brennnesseln gefasst. Es kann der ganze Körper oder auch nur ein Teil betroffen sein. Zunächst bilden sich blassrote bis rote Erhebungen. Diese werden schnell größer, bilden so genannte Quaddeln und jucken sehr stark. Sie verschwinden nach spätestens 24 Stunden wieder, tauchen aber an neuer Stelle auf – solange die Erkrankung noch aktiv ist. Der extreme Juckreiz ist auch das Hauptproblem der Erkrankung. Ursache der Krankheit: Häufig rufen Infektionen, Nahrungsmittel oder Medikamente den Ausschlag hervor. In einigen Fällen bleibt der Auslöser auch unbekannt. Manchmal verschwinden die Quaddeln ganz von allein, ebenso schnell wie sie aufgetreten sind. Leidet der Patient sehr, muss unbedingt schnell gehandelt werden. Der Arzt verschreibt Antihistaminika und in schweren Fällen auch Kortison-Tabletten, die sehr schnell den Juckreiz nehmen. Auch die Hautrötungen und Quaddeln verschwinden.

Schuppenflechte (Psoriasis)

Es handelt sich um eine entzündliche Hauterkrankung, bei der sich die Haut rötet, schuppt und juckt. Die Hautzeichen selbst werden ausgelöst von einem fehlgesteuerten Angriff des Immunsystems (Autoimmunreaktion) gegen Zellen der Oberhaut, die sich als Reaktion darauf besonders schnell vermehren. In der Folge wird die Haut an den betroffenen Stellen besonders dick und schuppig. Neben einer genetischen Veranlagung können auch Stress, Medikamente oder Bakterien als Auslöser eine Rolle spielen. Das Behandlungsspektrum ist groß: In der Regel beginnt man mit entzündungshemmenden Salben. Helfen diese nicht ausreichend, kommen zum Beispiel Medikamente oder eine Laserbehandlung in Frage.

Allergien

Bestimmte Stoffe können die Haut reizen und zu einem Jucken führen. Oft handelt es sich um eine Kontaktallergie. Dabei werden zum Beispiel Farbstoffe in der Kleidung oder bestimmte Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten nicht vertragen. Auch von innen her kann eine Allergie ausgelöst werden. Ursache ist hier oft eine bestehende Allergie auf bestimmte Pollen, wie die häufige Birkenpollenallergie. Hier werden dann aufgrund einer Kreuzallergie zum Beispiel Äpfel oder Birnen nicht vertragen. Juckreiz kann auch als Nebenwirkung eines Medikamentes auftreten. Die klassische Behandlung: Den Auslöser finden (Allergietest) und in Zukunft meiden. Bei Bedarf können auch hier Antihistaminika helfen.

Nierenerkrankung

Rund 1500 Liter Blut strömen täglich durch die Nieren. Sie befreien das Blut von schädlichen Stoffwechselprodukten, die dann über den Urin ausgeschieden werden. Erkranken die Nieren, droht dem Körper eine Vergiftung. In diesem Fall kann die Niere auch die Stoffe, die Juckreiz verursachen, nicht mehr ausreichend filtern. Sie bleiben im Blut und verbreiten sich im Körper. Es kommt zu Juckreiz. Hier muss der Hautarzt mit dem Internisten zusammenarbeiten. Denn die Nierenerkrankung muss abgeklärt und behandelt werden. Außerdem können Cremes und Salben den Hautzustand verbessern.

Lebererkrankungen

Mit 1,4 bis 1,8 Kilogramm beim Erwachsenen ist die Leber das schwerste Körperorgan nach der menschlichen Haut. Sie liegt im Oberbauch unter dem Zwerchfell. Die Leber hat mehrere wichtige Funktionen: Sie produziert Galle, verarbeitet und speichert chemische Substanzen und baut Stoffwechselprodukte und Gifte ab. Bei einer Lebererkrankung kommt es aufgrund der Ansammlung von Gallensäuren in der Haut, die nicht mehr angemessen über die Leber ausgeschieden werden können, zu einem zunehmenden Juckreiz. Dieser Juckreiz kann die Lebensqualität ganz erheblich einschränken. Manchmal helfen einfache Maßnahmen wie Ölbäder zum Rückfetten der Haut oder das Einreiben der Haut mit einer Creme oder Salbe. Der Arzt kann auch Medikamente verschreiben, die den Juckreiz lindern. So fördert Ursodesoxycholsäure den Gallefluss und führt somit zu einer vermehrten Ausscheidung von Gallensäuren. Cholestyramin bindet Gallensäuren im Darm und vermindert dadurch die Rückaufnahme in die Blutbahn.

Diabetes

Es gibt zwei Arten von Diabetes: Typ 1 und Typ 2. Bei einem Diabetes Typ 1 kann die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren. Folge: absoluter Insulinmangel. Die Erkrankung tritt meist schon im Kindes- und Jugendalter auf. Man geht heute davon aus, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, d.h. das körpereigene Immunsystem richtet sich gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse und zerstört sie. Typ-1-Diabetiker müssen daher sofort und lebenslang Insulin spritzen. Hauptursache für Diabetes Typ-2 ist eine verminderte Wirkung von Insulin und Übergewicht. Denn bei stetig zunehmenden Körpergewicht wird auch mehr Insulin benötigt. Hat man die entsprechende Veranlagung, schafft die Bauchspeicheldrüse es nicht mehr, immer mehr Insulin zu produzieren – und der Körper kann es nicht richtig verwerten. Folge: relativer Insulinmangel. Glukose gelangt nicht mehr zu den Zellen, sondern staut sich im Blut an. Der Blutzuckerwert steigt. Wie der starke Juckreiz bei Diabetes entsteht: Durch hohe Blutzuckerwerte verliert die Haut Flüssigkeit und trockene Haut fängt an zu jucken. Die Grunderkrankung muss behoben werden. Zusätzlich können juckreizstillende Cremes und Emulsionen für trockene Haut Abhilfe schaffen.

Schilddrüse

Probleme mit der Schilddrüse entstehen häufig dann, wenn dem Körper Jod fehlt. Die Schilddrüse bildet das Hormon Thyroxin, das den ganzen Stoffwechsel steuert. Um das Hormon herzustellen, ist die Schilddrüse auf Jod angewiesen. Bekommt sie zuwenig Jod, vergrößert sie sich. Die häufigste krankhafte Veränderung ist daher die Vergrößerung der Schilddrüse. Diese bezeichnet man als „Kropf“ oder „Struma“. Wird der Kropf nicht rechtzeitig behandelt, kann es zur Schilddrüsen-Überfunktion kommen. Auch eine Schilddrüsen-Unterfunktion ist möglich. Hier produziert die Schilddrüse zu wenige Hormone. Der Körper arbeitet zu langsam. Im Rahmen einer Schilddrüsenerkrankung kann sich die Talgproduktion der Haut ändern. Dadurch wird die Haut trocken und juckt. Mit Tabletten wird die Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse behandelt. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika oder juckreizstillende Cremes und Salben für trockene Haut.

Insektenstiche

Gerade an lauen Sommerabenden oder im Urlaub sind Insekten ein lästiges Übel. Viele juckende Mückenstiche sind dann nicht mehr zu vermeiden und am nächsten Tag ist alles geschwollen und man kann mit dem Kratzen gar nicht mehr aufhören. Es gilt: Bei Insektenstichen niemals kratzen, das würde nur den Juckreiz erhöhen. Die entsprechende Stelle gut kühlen, entweder mit einem Kühlgel oder Kühlkissen. Dann eine Zwiebel halbieren und auf den Stich pressen. Das darin enthaltene Schwefelöl, das uns sonst zum Weinen bringt, wirkt hier entzündungshemmend. Zur Vorbeugung am besten ein Insektenschutz-Mittel auf die Haut auftragen.

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