Krankes Hüftgelenk: Oberflächenersatz oder Totalendoprothese?

Versagt das Hüftgelenk, muss ein neues her. Doch oft ist es nicht nötig, das gesamte Gelenk zu ersetzen. Ein Oberflächenersatz ist oft genauso gut.  Im Idealfall sollte nur das im Gelenk ersetzt werden, was erkrankt ist. Die eigenen Knochen sollten möglichst erhalten bleiben.

Da die Hüfte stark belastet wird kann es leicht zu Problemen kommen

Die Ergebnisse sprechen für sich: Ein kanadisches Team hat die Daten von über 100 Patienten ausgewertet. Eine Patientengruppe hatte eine Totalendoprothese erhalten.  Der Begriff „total“ wird deshalb verwandt, weil sowohl ein Teil des Oberschenkelknochens (Gelenkkopf und Schenkelhals) ersetzt wird als auch ein Teil des Hüftknochens (Gelenkpfanne). Das bedeutet praktisch eine vollkommene Erneuerung des Gelenkes. Die andere Patientengruppe war nur mit einem Oberflächenersatz versorgt worden. Beide Patientengruppen hatten nach der Operation eine deutlich gestiegene Lebensqualität. Auffällig war jedoch eine höhere Schwermetallbelastung bei Ersatz des gesamten Hüftkopfes.

Doch auch der Oberflächenersatz kann Nachteile mit sich bringen. Die Komplikationsrate wird beim Oberflächenersatz etwas höher eingeschätzt. Das liegt daran, dass die metallenen Flächen direkt aufeinander reiben und sich so schneller abnutzen. Beim Totalersatz gibt es nicht einen solchen Abrieb zwischen Hüftkopf und -pfanne, wenn andere Materialen verwendet werden, meist Polyethylen und Keramik. Derzeit sind Wissenschaftler dabei, auch einen Oberflächenersatz aus Keramik zu entwickeln, um die Komplikationsrate zu senken.

Zwar kann nur im Einzelfall entschieden werden, ob für den Patienten ein Oberflächenersatz oder eine Totalendoprothese in Frage kommt. Aber es gibt einige Kriterien, wann was geeignet ist:

Oberflächenersatz:

Ist noch genug gesunder Knochen vorhanden, kann die Beweglichkeit mit einem Oberflächenersatz wieder hergestellt werden. Da jüngere Patienten meist noch relativ gute Knochen haben, kommt der Oberflächenersatz eher für diese Personengruppe in Frage. Damit sind keine 20-Jährigen, sondern Menschen unter 65 Jahren gemeint. Wegen des Problems des Abriebs und der möglichen Schwermetallbelastung sind Frauen im gebärfähigen Alter und Menschen mit Nierenfunktionsstörungen jedoch ausgenommen.

Totalendoprothese:

Wenn das komplette Hüftgelenk zerstört ist oder ein großer Teil davon, ist die Totalendoprothese die bevorzugte Methode. Sie kommt auch für Frauen im gebärfähigen Alter und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion in Frage.

Kurzschaft-Endoprothese:

Diese Prothese kommt zur Anwendung, wenn der Oberschenkelknochen noch einigermaßen erhalten ist. Bei der Totalendoprothese wird – um eine ausreichende Stabilität zu gewährleisten – der neue Hüftkopf zusammen mit einem langen Schaft in den Oberschenkelknochen eingebracht. Bei der Kurzschaft-Prothese ist es eben nur ein kurzer Schaft.

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