Chronische Müdigkeit – was tun?

In der kalten Jahreszeit fühlen sich viele Menschen ständig schlapp. Nicht immer ist der Winter daran schuld. Es gibt noch andere Ursachen.

frische Luft macht fit. frische Luft kann bei chronischer Müdigkeit helfen

Sechs Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Oje. Am liebsten würden Sie sich noch einmal umdrehen, weiterschlafen. Nur mit Mühe schleppen Sie sich ins Bad. Die Augen fallen immer wieder zu, Sie fühlen sich kraftlos und erschöpft. Und nicht nur heute. Das geht schon seit einigen Tagen oder gar Wochen so. Höchste Zeit, mal nach den Gründen zu suchen. Und vor allem, endlich etwas dagegen zu unternehmen.

1. Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit

In der kalten Jahreszeit sind die Tage kürzer, es fehlt natürliches Licht. Kein Wunder, dass viele Menschen gerade jetzt energielos sind. Es handelt sich um eine saisonal abhängige Depression (SAD), die in den Herbstmonaten beginnt und in den Frühjahrsmonaten endet.

Vor allem Bewegung an frischer Luft ist hier zu empfehlen. Auch wenn die Sonne nicht vom Winterhimmel strahlt, wird noch genug Helligkeit ins Gehirn gemeldet, um die Stimmung aufzuhellen. Viele Patienten sprechen auf eine Lichttherapie an: Der Patient sitzt zwei Wochen lang täglich vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang jeweils maximal eine Stunde vor einem Lichtgerät. Dadurch wird der Tag künstlich verlängert.

Wichtig: Wer ständig deprimiert ist, sollte einen Arzt um Rat fragen. Es könnte sich auch um eine richtige Depression handeln. Mit Hilfe von Psychotherapie und/ oder Antidepressiva können Depressionen gut behandelt werden.

2. Schlafstörungen

Man kann abends schlecht einschlafen, wacht nachts häufiger auf. Morgens fühlt man sich wie gerädert. Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. Lautes, unregelmäßiges Schnarchen und Atemaussetzer weisen auf die so genannte Schlafapnoe hin. Im Schlaflabor kann man den Hintergründen auf die Schliche kommen. Oft wird dann eine Atemmaske verschrieben, die nachts getragen werden muss.

Viele Menschen haben auch falsche Vorstellungen vom Schlaf. Man muss nicht unbedingt jede Nacht sieben oder acht Stunden schlafen. Das Schlafbedürfnis jedes Menschen ist unterschiedlich. Es ist auch normal, nachts mal aufzuwachen. Denn Tiefschlafphasen und der „flachere“ Schlaf (REM-Schlaf) wechseln sich ab.

Um abends ruhiger zu werden, sind Entspannungstechniken wie Autogenes Training zu empfehlen. Auch Hopfen wirkt schlaffördernd.

3. Nährstoffmangel

Fehlen dem Körper Nährstoffe, kann es ebenfalls zu ständiger Müdigkeit kommen. Weitere Symptome: Blasse, trockene Haut, Haarausfall sowie brüchige Fingernägel.

Eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Mineralien ist enorm wichtig. Bedeutsam sind vor allem Magnesium, Kalium, Zink, Eisen und die B-Vitamine. Da der Bedarf mit einer abwechslungsreichen Ernährung nicht immer zu decken ist, gibt es in der Apotheke viele Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel Multi-Vitamin-Präparate. Um den Eisenhaushalt aufzufüllen, sind Kräuterblutsäfte zu empfehlen.

4. Lebererkrankung

Die Leber ist wie eine große chemische Fabrik: Sie sorgt dafür, dass keine giftigen Stoffe im Körper bleiben. Ist die Leber krank, macht sich das mit Müdigkeit, Leistungsschwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Gewichtsabnahme bemerkbar.

Wer ständig müde ist, sollte daher beim Arzt auch mal die Leberwerte überprüfen lassen. Gegebenenfalls müssen Medikamente genommen werden. Wird die Lebererkrankung nicht rechtzeitig behandelt, drohen Leberzirrhose oder Leberkrebs.

5. Diabetes

Man fühlt sich schwach, hat ständig Durst, muss häufig auf die Toilette – all diese Beschwerden können ein Hinweis für Diabetes sein. Eine rechtzeitige Behandlung ist wichtig. Grund: Übermäßiger Zucker im Blut stört den Stoffwechsel des Körpers. Es entstehen viele Abfallprodukte, die die Gefäße des Körpers schädigen können. Schlimme Folgeerkrankungen wie Schlaganfall sind möglich.

Man unterscheidet zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2. Beim Diabetes Typ 1 kann die Bauchspeicheldrüse kein Insulin produzieren. Folge: absoluter Insulinmangel. Beim häufigeren Typ 2 kann die Bauchspeicheldrüse zwar Insulin herstellen, aber nicht mehr in der erforderlichen Menge. Außerdem kann der Körper das Insulin nicht richtig verwerten. Folge: relativer Insulinmangel.

Vor allem der Typ 2 Diabetes lässt sich gut vorbeugen und behandeln – und zwar mit einem gesunden Lebensstil. Das A und O sind gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung. Ansonsten muss Insulin zugeführt werden.

6. Anämie

Sind zu wenige rote Blutkörperchen im Körper enthalten, besteht Blutarmut (Anämie). Das ist gefährlich, denn die roten Blutkörperchen transportieren mit Hilfe des roten Blutfarbstoffes den Sauerstoff in alle Bereiche des Körpers.

Anzeichen, die auf Blutarmut hindeuten: Blässe, Müdigkeit und Schwäche, Konzentrationsstörungen und leichter Schwindel. Die Blutarmut kann gut mit Medikamenten behandelt werden. Die Patienten erhalten zum Beispiel Erythropoetin, ein körpereigenes Hormon. Es stimuliert die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark.

7. Entzündungskrankheit

Entzündungskrankheiten wie Rheuma gehen oft mit starker Müdigkeit einher. Warum dies so ist, haben jetzt Schweizer Wissenschaftler herausgefunden: Verantwortlich für die Müdigkeit ist ein Protein namens TNF-alpha. Es wird von Immunzellen produziert, um gegen die Infektion anzukämpfen. Dieser Immunbotenstoff bremst aber auch einige Gene im Gehirn, die den täglichen Schlaf- und Wachzyklus steuern. Die Konsequenzen konnten die Forscher direkt bei einigen Mäusen beobachten: Die Tiere benutzten ihre Laufräder weniger als ihre Artgenossen und waren insgesamt weniger in ihren Käfigen unterwegs. Auch Rheumapatienten, bei denen die TNF-alpha-Menge im Blut ständig erhöht ist, klagen häufiger über Müdigkeit.

Den Botenstoff bei Menschen mit chronischen Entzündungskrankheiten einfach abzufangen, ist keine Lösung: Dadurch wird das Immunsystem stark geschwächt, und es gibt außerdem Hinweise darauf, dass ein TNF-alpha-Mangel die Entstehung von Autoimmunkrankheiten begünstigt. Bei Entzündungskrankheiten werden daher andere Medikamente eingesetzt, darunter Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antiphrheumatika (NSAR) oder Entzündungshemmer wie Kortison.

8. Fatigue-Syndrom

Lähmende Müdigkeit, mangelnde körperliche Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen und starke Antriebslosigkeit sind die häufigsten Symptome beim Fatigue-Syndrom. Die Patienten haben Schwierigkeiten einzuschlafen oder wachen nachts oft auf.

Der französische Begriff „Fatigue“ bedeutet übersetzt „Ermüdung“. Das Fatigue-Syndrom erleben etwa 60 bis 90 Prozent aller Krebspatienten. Auch nach Operationen kann es zu extremer Müdigkeit und Erschöpfung kommen.

Was genau den Körper so stark und langanhaltend schwächt, ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Fest steht: Schmerzen, Blutarmut und Gewichtsabnahme sowie die Nebenwirkungen der Chemo-, Immun- und Strahlentherapie zehren am Organismus.

In den meisten Fällen lassen sich die Erschöpfungszustände durch eine veränderte Lebensweise positiv beeinflussen. Wichtig sind regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung.

9. Schilddrüsenerkrankung

Die Schilddrüse ist eine regelrechte „Temperamentsdrüse“. Sie produziert Hormone für den lebenswichtigen Stoffwechsel. Stellt die Schilddrüse zu viele Hormone her, steht der Körper unter Dauerstress, stellt sie zu wenig her, kocht der Körper auf Sparflamme. So kann eine Unterfunktion der Schilddrüse die Ursache für die chronische Müdigkeit sein. Zusätzliche mögliche Symptome: Konzentrationsschwäche, glanzlose Haare, Verstopfung, nächtliches Kribbeln von Händen und Unterarmen.

Ultraschall- und Blutuntersuchung zeigen deutlich, ob eine Erkrankung der Schilddrüse vorliegt. Bei einer Unterfunktion müssen Hormontabletten genommen werden.

10. Stress bzw. Burnout

Burnout – übersetzt bedeutet es so viel wie Ausgebranntsein. Charakteristisch sind Erschöpfung und das Gefühl der inneren Leere.

Burnout entsteht vor allem durch Stress am Arbeitsplatz. Zunächst arbeiten die Betroffenen auf Hochtouren, wollen immer alles perfekt machen. Doch schon bald lässt die Energie nach. Reizbarkeit und Resignation stellen sich ein.

Die Behandlung ist vielschichtig. Hilfreich sind ein gutes Zeitmanagement und Entspannungsmethoden wie progressive Muskelrelaxation. Wichtig ist auch, sich über die persönlichen Ziele klar zu werden. Eine gesunde Ernährung und Sport helfen, das Abwehrsystem zu stärken.

11. Hormonstörungen in der Menopause

Vor allem in der Menopause kann es zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Unruhe sowie Schlafstörungen kommen. Ursache: die hormonelle Umstellung. Die Eierstöcke produzieren immer weniger Östrogene und Gestagene.

Wichtig: Hormone sollten nur dann genommen werden, wenn eine Frau durch die hormonelle Umstellung ihres Körpers sehr starke Beschwerden hat. Besser ist eine Änderung der Lebensweise: Obst und Gemüse liefern wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. Jede Bewegung ist eine Wohltat für Körper und Geist.

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