Neue Therapien bei schweren Venenerkrankungen

Starke Schmerzen und Schwellungen in den Beinen schränken die Lebensqualität stark ein. Viele Patienten mit schweren Venenerkrankungen tragen jahrelang Kompressionsstrümpfe, ohne dass sich ihre Situation wirklich bessert. Dabei kann heute das Problem an der Ursache angepackt und beseitigt werden. Auf einem internationalen Venenkongress diskutierten über 100 Ärzte aus der ganzen Welt Ende Mai in Düsseldorf über die besten Therapien.

Venenerkrankung Dr. Michael Lichtenberg leitete den Venenkongress. Er setzt die neuen Stents ein

„Niemand muss leiden“, bilanziert Dr. Michael Lichtenberg, Chefarzt der Klinik für Angiologie im Klinikum Hochsauerland in Arnsberg den zweitägigen Venenkongress. Allen Patienten mit Venenleiden könne heute besser als je zuvor geholfen werden.

Bei vielen Venenleiden in den tiefen Beinvenen ist eine Verengung eines Blutgefäßes im Becken die Ursache für die Beschwerden. Durch diese Verengung staut sich das Blut in den Beinen. In der Folge bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) und das Blutgefäß verstopft. „Diese sogenannte tiefe Venenthrombose (TVT) ist nach dem Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste akut auftretende kardiovaskuläre Erkrankung“, sagt Dr. Lichtenberg. Die TVT ist nicht nur aufgrund der damit verbundenen Schmerzen in den Beinen und Schwellungen sehr belastend, sondern kann schnell lebensgefährlich werden. Denn der Thrombus kann sich lösen und in die Lunge wandern. Eine lebensbedrohliche Lungenembolie droht.

Das Problem: Viele Patienten tragen jahrelang Kompressionsstrümpfe ohne dass sich ihre Situation wirklich bessert. Dabei gibt es inzwischen moderne Therapien. Dr. Lichtenberg: „Die Gerinnsel können heute mit moderner Behandlungstechnik aus dem Blutgefäß entfernt und die Engstellen mit speziell für die Venen entwickelten Stents offengehalten werden.”

Und so gehen die Ärzte dabei vor: Im Rahmen eines minimal-invasiven Eingriffs wird zunächst der Thrombus mit sogenannten Thrombektomie-Kathetern entfernt. Dann weiten die Ärzte die Engstelle mit einem Ballon auf und platzieren einen speziellen Venenstent. Das alles geschieht unter Röntgenkontrolle über eine kleine Punktion in der Leiste oder der Kniekehle. Bei ausgedehnten Venenverschlüssen können längere Stents implantiert werden, gegebenenfalls auch mehrere hintereinander. „Die Einengung der Vene wird so dauerhaft beseitigt. Das Blut aus den Beinen kann wieder ungehindert zum Herzen zurückfließen. Schwellungen und Schmerzen gehen zurück”, sagt Dr. Lichtenberg.

Um zu wissen, für welche Patienten die Stents und für wen gegebenenfalls andere Therapien wie Medikamente oder Kompressionsstrümpfe infrage kommen, betreiben die Ärzte heutzutage modernste Diagnostik. Auch diese wurde auf dem Kongress vorgestellt. Zu den wichtigsten Basisuntersuchungen zählt der Doppler-Ultraschall. Mit diesem kann der Blutfluss in den Gefäßen durch Farbbilder zur diagnostischen Bestimmung sichtbar gemacht werden. „Um Gefäßverläufe im Gewebe, Verengungen und Fließgeschwindigkeit noch genauer zu untersuchen, können heute die Gefäße mit einem Ultraschall-Katheter auch von innen betrachtet werden“, sagt Dr. Rick de Graaf, Chefarzt der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie im Klinikum Friedrichshafen, der gemeinsam mit Dr. Lichtenberg den Venenkongress „Venous Summit“ leitete. „Dies ist wichtig um genau festzulegen, wo der Stent in der Vene platziert werden muss und schließlich den Erfolg der Behandlung abzusichern.“

Eine rechtzeitige Behandlung ist bei Venenproblemen nicht nur sehr wichtig, um eine lebensbedrohliche Lungenembolie zu verhindern. Sondern eine unbehandelte TVT zieht häufig ein sogenanntes postthrombotisches Syndrom nach sich – dies tritt in rund 50 Prozent der Fälle ein. Das betroffene Bein ist dabei chronisch und schmerzhaft geschwollen, die Haut rötet sich und es bilden sich schwer heilende Geschwüre am Fuß und Unterschenkel. Die Betroffenen können meist nur noch kurze Gehstrecken bewältigen, die Lebensqualität ist stark eingeschränkt.

Doch auch Patienten mit einem postthrombotischen Syndrom kann heute in spezialisierten Venenzentren geholfen werden. Hier können ebenfalls spezielle Stents die Ursache für die Erkrankung – also die Venenverengung – beseitigen. Dr. de Graaf: „Die Patienten empfinden sofort eine extreme Erleichterung der Beschwerden nach dem Eingriff und sind froh, dass sie ihre verlorene Lebensqualität zurückgewonnen haben.“

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