So schützen Sie sich vor Osteoporose

Traurig, aber wahr: Rund 6 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Knochenschwund. Osteoporose ist aber kein unabwendbares Schicksal. Jeder kann der Krankheit durch gesunde Lebensweise vorbeugen.

Zu wenig junge Menschen in Deutschland machen regelmäßig Sport. Mehr junge Menschen sollten Sport treiben, um Krankheiten vorzubeugen.

Osteoporose heißt vereinfacht „Knochenschwund“. Das bedeutet: Die Knochen werden immer poröser und dünner. Irgendwann ist das Knochengerüst dann nicht mehr belastbar und bricht zusammen. Häufigste Folgen: Wirbelkörperbrüche und Oberschenkelhalsfrakturen. Unbehandelt schreitet die Osteoporose voran und kann im schlimmsten Fall zu Invalidität führen.

Osteoporose droht zu einer neuen Volkskrankheit zu werden. Die Zahlen sind erschreckend: Rund 6 Millionen Menschen leiden hierzulande an Osteoporose. Als Folge des Knochenschwundes kommt es jedes Jahr zu 150 000 Oberschenkelhalsbrüchen und drei Millionen Wirbelfrakturen. Und: Experten der Weltgesundheitsorganisation gehen davon aus, dass sich die Zahl der Oberschenkelhalsbrüche in den nächsten 35 Jahren verdoppeln wird.

Das Problem: Im Anfangsstadium bemerkt man die Osteoporose gar nicht. Grund: Das Äußere des Knochens ist noch intakt, während im Inneren schon längst Knochensubstanz abgebaut wird. Setzt sich das fort, genügt ein Stolpern – und der Knochen bricht. Oft erfährt der Patient erst durch das Röntgenbild im Zusammenhang eines solchen Knochenbruches, dass er Osteoporose hat.

Bestehen bereits Knochenbrüche, ist eine Behandlung sehr schwierig. Daher ist es wichtig vorzubeugen. Jeder ist seines Skelettes Schmied! Denn die Hauptursachen für Osteoporose sind: falsche Ernährung und Bewegungsmangel.

Vor allem die Ernährung ist wichtig. Auch das Skelett muss ernährt werden. Besonders wichtig ist Kalzium. Viel Kalzium liefern Milch und Milchprodukte. Weitere gute Quellen sind zum Beispiel Kräuter, Grünkohl, Fenchel, Brokkoli und vor allem Sojabohnen. Soja ist nicht nur wegen des hohen Anteils an Kalzium gut für die Knochen, sondern auch wegen seiner pflanzlichen Hormone. Diese Phytoöstrogene ähneln im Aufbau und der Wirkung dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Die Östrogene sind wichtig, um Knochenmasse zu erhalten. Mit den Wechseljahren fällt der Schutz durch die Geschlechtshormone weg – ein Grund, warum mehr Frauen als Männer an Osteoporose erkranken. Soja kann hier helfen.

Es ist übrigens gar nicht schwer, den Kalziumbedarf zu decken: Erwachsene sollten täglich rund 1 Gramm zu sich nehmen, Kinder je nach Alter zwischen 0,6 und 1,2 Gramm und Personen, die schon an Osteoporose erkrankt sind, rund 1,5 Gramm. 1 Gramm sind zum Beispiel enthalten in einem ¾ Liter Milch, in zirka 90 Gramm Emmentaler Käse oder in 400 Gramm Sojabohnen.

Wichtig für die Knochen ist außerdem Vitamin D. Es ist nötig, um Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen und in den Knochen einzubauen. Vitamin D wird in der Haut mit Hilfe der UV-Strahlung gebildet. Es reicht, jeden Tag eine halbe Stunde draußen zu verbringen. Die UV-Strahlung wird auch durch Wolken kaum abgeschwächt und reicht in den Sommermonaten für die Vitaminproduktion aus. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt jedoch die Synthesekapazität der Haut ab, sodass insbesondere in den Wintermonaten auf eine ausreichende Vitamin D Zufuhr mit der Nahrung zu achten ist. Gute Vitamin-D-Quellen sind vor allem Seefische.

Auf bestimmte Lebensmittel sollten Sie möglichst oft verzichten – allen voran phosphatreiche Nahrungsmittel wie Fleisch, Wurstwaren oder Fertiggerichte. Grund: Phosphat hemmt die Kalziumaufnahme. Auch größere Mengen von Kaffee, Schwarzen Tee oder Alkohol sind nicht gut, denn durch sie wird über die Niere verstärkt Kalzium ausgeschieden.

Neben gesunder Ernährung ist vor allem Sport wichtig, um Osteoporose vorzubeugen. Sport regt die Knochen zur Bildung von Knochenmasse an und kräftigt die Muskulatur. Je stärker die Muskeln, desto stärker die Knochen. Besonders geeignet: Kräftigungsübungen (s. Kasten). Im Idealfall treibt man in jungen Jahren viel Sport. Denn bis ungefähr zum 40. Lebensjahr kann Knochenmasse aufgebaut werden. Dann wird jedes Jahr ein geringer Prozentsatz wieder abgebaut. Keine Angst. Diesen Prozess kann man beeinflussen! Es ist nie zu spät, mit Bewegung anzufangen! Auch wer erst mit 60 Jahren beginnt, Sport zu treiben, kann noch seinen Knochen stärken und vor allem verhindern, dass die vorhandene Knochenmasse abgebaut wird.

Auch wer schon Osteoporose hat, sollte auf eine gesunde Lebensweise achten, um ein weiteres Fortschreiten der Krankheit zu verhindern. Zur Basistherapie bei Osteoporose gehört eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung beziehungsweise Krankengymnastik und die Einnahme von Vitamin D. Reicht dies nicht aus, werden zusätzlich meist Bisphosphonate verschrieben. Sie lagern sich auf der Oberfläche des Knochens ab und hemmen dort den Knochenabbau. Östrogene werden wegen des erhöhten Thrombose- und Brustkrebsrisikos nur noch selten gegeben. Besser ist Raloxifen, das an den Knochen ähnlich wie die Östrogene wirkt, aber an Brust und Gebärmutter eine gegenteilige Wirkung entfaltet. Vielversprechend ist auch das Medikament Parathormon. Studien haben gezeigt, dass damit der Knochenaufbau stimuliert werden kann, während die bisherigen Medikamente überwiegend den Knochenabbau hemmen.

Oft haben Osteoporose-Patienten starke Schmerzen, die das Leben zur Qual machen können. Hier hilft ein neues Verfahren: die Vertebroplastie. Das bedeutet: Die Knochen werden mit „Zement“ aus einer Spritze aufgefüllt. Der zähflüssige Zement verteilt sich dann im Knochen und wird innerhalb weniger Minuten fest. Dadurch kommt es zu einer inneren Stabilisierung des Knochens und einer schnellen und langanhaltenden Schmerzlinderung.

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Osteoporose vermeiden – diese Sportarten sind besonders gut

Vor allem Gymnastik und Kräftigungsübungen stärken Muskeln und Knochen. Sehr gut kann man im Fitnessstudio trainieren. Achten Sie darauf, dass die Übungen ausgewogen sind und alle Muskeln dran kommen. Empfehlenswert ist das „Kieser-Training“, das es in vielen Fitnesscentern gibt. Achtung: Wer schon Osteoporose hat, sollte mit dem Arzt abklären, welcher Sport für ihn in Frage kommt – vielleicht ein leichtes Ausdauertraining wie Radfahren, Walking oder Schwimmen. Tabu sind Gewichtheben, Sprünge und starke Drehungen – das Risiko wäre zu groß, dass der Knochen bricht.

 

Knochen – woraus besteht er eigentlich?

Knochen sind keine starren Gebilde. Im Gegenteil: Das Knochengewebe ist eine lebendige Verbindung von Zellen, die ständig neu aufgebaut, umgebaut und abgebaut werden. In dieses Bindegewebe ist Kalzium eingelagert, das den Knochen ihre hohe Festigkeit gibt, so dass sie die lebenswichtigen Körperorgane schützen und stabilisieren können. Ein gesunder Knochen besteht aus einer Knochenrinde, die innen verbunden ist mit Knochenbälkchen. Bei Osteoporose sind die Knochenrinde und die Knochenbälkchen so dünn geworden, dass sie leicht brechen.

 

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