Schulterprothese auswechseln: Oft ist ein Knochenaufbau notwendig

Die Zahl der Schulterprothesen ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, in ähnlichem Maße werden auch Wechseloperationen häufiger. Das heisst: Man muss die Schulterprothese auswechseln. Typisch für alle Wechseleingriffe ist ein mehr oder weniger ausgeprägter Verlust an Knochensubstanz. Folge: Es muss Knochen wiederaufgebaut werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.   

Knochenaufbau nach Prothesenwechsel Nach dem Prothesenwechsel muss Knochen wiederaufgebaut werden

Im fortgeschrittenen Arthrosestadium hilft meist nur noch ein künstliches Schultergelenk, um die gewohnte Lebensqualität wiederzuerlangen. Denn die Schmerzen in der Schulter und die eingeschränkte Beweglichkeit lassen sich bei einem starken Gelenkverschleiss oft nicht mehr anders beseitigen.

Da die Menschen immer älter werden, gibt es aufgrund dieser demografischen Entwicklung zunehmend mehr Menschen mit einem künstlichen Schultergelenk. Gleichzeitig steigt die Zahl der Revisionen, denn eine Prothese hält nicht ewig. Als Schulterrevision bezeichnen Ärzte den Schulterprothesenwechsel (Schulterprothese auswechseln).

Lockerung der Prothese ist häufigster Wechselgrund

Privatdozent Dr. Jörn Kircher, Leiter der Schulter- und Ellenbogenchirurgie der Klinik Fleetinsel Hamburg: „Eine Schulterrevision wird oft zehn bis 15 Jahre nach der Erstimplantation einer Schulterprothese notwendig.“ Der häufigste Grund, weshalb ein künstliches Gelenk gewechselt werden muss, ist die Lockerung der Prothese aus ihrer Verankerung im Knochen. Auch das künstliche Gelenk nutzt sich aufgrund der dauernden Belastung ab. Dies geschieht vor allem in Form von Abrieb an den Gleitoberflächen. Andere Gründe, die zu einem Wechsel eines künstlichen Schultergelenks führen können, sind mechanische Probleme, zum Beispiel „Notching“ bei inversen Prothesen (Abnutzung des Knochens am unteren Pfannenrand), oder die „aseptische Lockerung“ (ein Nachlassen der festen Verankerung der Prothese im Knochenlager).

Da die Betroffenen weiter aktiv bleiben möchten, empfiehlt der Arzt in der Regel eine neue Schulterprothese. Gut zu wissen: Oft ist es dabei gar nicht mehr nötig die komplette Prothese auszuwechseln. Denn die modernen Implantate bestehen aus mehreren Einzelteilen. Diese Teile können einzeln zusammengesetzt und auch einzeln wieder entfernt werden. Dr. Kircher: „Neu ist vor allem, dass die Implantate in Einzelteilen wieder entfernt werden können. Das ist besonders für jüngere Patienten von Vorteil, die irgendwann ein neues Implantat benötigen. Die Wechseloperation ist dann viel schonender. Der Arzt braucht nicht – wie bisher üblich – die ganze Prothese zu entfernen, sondern wirklich nur den Teil, der abgenutzt oder gelockert ist.“

Beim Einsetzen und Ausbauen der Prothese geht Knochen verloren

Das Problem: Typisch für alle Wechseleingriffe ist ein mehr oder weniger ausgeprägter Mangel an Knochensubstanz. Der Grund: Schon beim Einsetzen der ersten Prothese geht Knochen verloren beziehungsweise wird abgetragen, um die Prothese gut zu befestigen. Lockert sich die Prothese – eine der häufigsten Wechselgründe – wird zusätzlich angrenzender Knochen zerstört. Beim Ausbau der defekten Prothese verliert der Patient wiederum erneut Knochensubstanz. Denn der Operateur muss mit speziellen Werkzeugen die alten Prothesenteile entfernen. Je nach Verankerungsart kann das unterschiedlich schwierig sein. Anschließend bereitet er die Gelenkflächen mit speziellen Fräsen für die neue Schulterprothese vor.

Die Folge: Knochenmangel an der Schulter. „Um eine neue Prothese zu verankern, kann es notwendig sein, eine Knochentransplantation vorzunehmen“, sagt Dr. Kircher. Besonders günstig ist die Kombination mit Spezialimplantaten, die einerseits eine feste Verankerung der neuen Komponenten ermöglichen für eine hohe Primärstabilität (z.B. mit besonders langen Stielen und Zapfen, um den Defekt zu überbrücken). Andererseits gibt es besondere Materialien an den Oberflächen, welche die Einheilung des Knochenaufbaus verbessern (z.B. trabekuläres Titan). In dieser Kombination braucht man weniger Knochenaufbaumaterial und eine schnelle und sichere Einheilung ist in der Regel sehr gut möglich.

Für den Knochenaufbau stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  1. Eigenknochen (Autologes Knochenaufbaumaterial)

Aus biologischer Sicht handelt es sich beim Eigenknochen um das beste Transplantat, da keine immunologischen Reaktionen zu befürchten sind. In kleinen Mengen fällt autologes Knochenaufbaumaterial bei der Resektion der Gelenkflächen an. Dr. Kircher: „Zusätzlich kann Knochen aus einem für die Statik weniger wichtigen Knochenbereich, zum Beispiel dem Beckenkamm, entnommen werden.“

  1. Fremdknochen (Allogenes Material)

Fremdknochen, der eingesetzt werden kann, stammt entweder von hirntoten Organspendern oder von lebenden Spendern. Bei den lebenden Spendern kommt das Knochenmaterial meist aus einem Hüftkopf. Es handelt sich um Patienten, die eine Hüftprothese bekommen haben (für die ohnehin Knochensubstanz entfernt werden musste). „Mit fremdem Knochenmaterial können oft auch ausgedehnte Defekte überbrückt werden“, sagt Dr. Kircher. Der Nachteil: Eine Immunreaktion ist nicht auszuschließen und das Einwachsen ist nicht ganz so gut wie bei körpereigenem Knochen aus dem Becken.

  1. Knochenersatz (Keramiken)

Das Einsetzen von künstlichem Knochenersatzmaterial ist häufig bei sehr großen Knochendefekten notwendig. Als Knochenersatz stehen verschiedene künstlich hergestellte Substanzen zur Verfügung. Ein Grundstoff ist oftmals Hydroxylapatit, ein Mineral das von den Knochenzellen sehr gut aufgenommen und umgebaut werden kann. Manchmal werden antibiotische Wirkstoffe beigefügt, um Krankheitskeime zu bekämpfen. Nachteil der Knochenersatzmaterialien ist, dass sie schlechter einheilen als Naturknochen und auch eine deutlich geringere mechanische Belastbarkeit haben, als gesunder Knochen. Daher werden den Substanzen oft Eigen- oder Fremdknochen beigefügt.

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