Sport hilft bei Kniearthrose und Hüftarthrose

Bei Kniearthrose und Hüftarthrose leiden viele Patienten unter Bewegungsschmerzen. Es hört sich vielleicht paradox an:  Eine der besten Therapien zur Behandlung dieser Bewegungsschmerzen ist körperliche Bewegung! Denn Sport stärkt die umliegenden Muskeln und entlastet damit das betroffene Gelenk. Außerdem werden die Knorpelzellen besser mit Nährstoffen versorgt.

Sport bei Kniearthrose und Hüftarthrose Orthopäde Dr. Konrad Scheuerer: "Sport ist auch bei Gelenkerkrankungen wichtig."

Wer sich regelmäßig bewegt, bleibt geistig und körperlich länger fit. Sport ist heute ein Grundbedürfnis. Speziell bei Menschen, die ihr Leben lang sportlich aktiv waren, leidet die Lebensqualität, wenn sie keinen Sport mehr machen können.

Doch die tägliche Belastung und das zunehmende Alter hinterlassen Spuren: Die schützende Knorpelschicht zwischen den Gelenkknochen nutzt sich ab, wird immer dünner. Die Knochen reiben direkt aufeinander. Hüfte und Knie sind durch unseren aufrechten Gang die am meisten belasteten Gelenke. Folge: Knie- oder Hüftarthrose entsteht, in manchen Fällen sogar beides zusammen. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind die typischen Symptome.

Dr. Konrad Scheuerer, Orthopäde der OrthoPraxis in Gräfelfing: „Viele Menschen denken, wenn sie die Diagnose Arthrose erhalten, sie müssten sich jetzt schonen. Doch körperliche Bewegung ist auch bei Gelenkerkrankungen sehr wichtig. Mit den richtigen Sportarten können die Beschwerden bei Kniearthrose und Hüftarthrose gelindert werden.“

Sport hilft bei Kniearthrose und Hüftarthrose auf mehrfache Weise:

► Bessere Durchblutung. Die körperliche Bewegung kurbelt die Durchblutung an. Die Knorpelzellen werden besser mit Nährstoffen versorgt.

► Stärkere Muskeln. Durch die sportliche Betätigung wird die gelenkumgebende Muskulatur gekräftigt. Dr. Scheuerer: „Stärkere Muskeln entlasten das Gelenk und schützen den Knorpel.“

► Geschützte Bänder. Kräftige Muskeln und ein stabiles Gelenk haben wiederum Vorteile für passive Gelenkstrukturen wie Bänder: Sie sind nun besser geschützt, das Risiko einer Überdehnung oder eines Risses wird reduziert.

► Gesteigerte Lebensfreude. Sport setzt Glückhormone (Endorphine) im Körper frei. Dies steigert die Leistungsfähigkeit des Patienten und fördert die Heilung. Ebenfalls positiv: Beim Sport lernt man oft andere Menschen kennen und die Lebensfreude steigt.

► Bessere Koordination. Sport verbessert auch die koordinatorischen Fähigkeiten und die Beweglichkeit des Gelenks. Dadurch verringert sich das Sturz- und Frakturrisiko im Alltag.

Die eigenen Vorlieben sind das wichtigste Kriterium bei der Auswahl der Sportart. Denn nur wenn der Sport Spaß macht, wird man ihn regelmäßig ausüben. Welchen Sport man ausüben kann, hängt aber vor allem auch von der bisherigen Erfahrung ab. Dr. Scheuerer: „Wer bisher immer Tennis gespielt hat oder sogar begeistert Ski gefahren ist, kann dies in den meisten Fällen sicher guten Gewissens auch mit Arthrose weiter tun, da der Körper an diese Art des Bewegungsablaufes gewöhnt ist.“ Allerdings sei hier eine genaue Beratung wichtig. Beispielsweise sollten routinierte alpine Skifahrer, die nun eine Arthrose haben, nicht gerade über Buckelpisten oder im Tiefschnee fahren.

Dr. Scheuerer: „Es müssen natürlich auch immer eventuelle Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigt werden. Bei einem akut entzündeten Gelenk muss das Training eventuell modifiziert werden. Gegebenenfalls kann zunächst eine medizinische Kräftigungstherapie, eine Art Physiotherapie unter Anleitung, sinnvoll sein. Dort bekommt der Patient auch Übungen erklärt, die er zusätzlich zuhause machen kann.“

Als besonders empfehlenswert gelten gelenkschonende Sportarten wie zum Beispiel Wandern, Nordic Walking oder Radfahren, bei deren Ausübung in der Regel nur geringe Rotationskräfte und selten Belastungsspitzen auftreten. Dr. Scheuerer: „Ungünstig sind Sportarten, bei denen es zu einer ruckartigen Stoß- oder Scherbelastung des Gelenks kommen kann.“ Dies gilt für Badminton oder Squash, aber auch für Leichtathletik (besonders Weit- und Hochsprung). Sämtliche Mannschaftssportarten –  insbesondere mit direktem gegnerischen Kontakt – sind bei Arthrose eher ungünstig. Denn das Verletzungsrisiko ist sehr groß. Bei Zusammenstößen und Stürzen könnten das Gelenk und der Knorpel großen Schaden erleiden.

Gute Sportarten bei Kniearthrose oder Hüftarthrose sind:

Walking.  Das sportliche Wandern kann in der Großstadt, auf Straßen und in Parks ausgeübt werden. Das Gelände sollte möglichst eben, höchstens leicht hügelig sein. Bergwandern mit steilen Wegen bergauf und bergab würde das Kniegelenk zu sehr belasten. Außerdem wäre die Gefahr umzuknicken zu groß

Nordic Walking. Die schwungvolle Bewegung stärkt nicht nur die Muskulatur, sondern durch den Einsatz der Stöcke wird der gesamte Stützapparat um 30 Prozent entlastet und das Gangbild verbessert. Außerdem werden Herz und Kreislauf beansprucht sowie der Stoffwechsel angeregt. Das Verletzungsrisiko dieser Outdoor-Sportart ist minimal.

Radfahren. Sowohl Ausflüge mit dem Rad als auch das Radfahren auf dem Home-Trainer sind gut geeignet. Wichtig: Das Rad sollte auf den jeweiligen Radler individuell eingestellt werden. Das bedeutet, dass beim aufrechten Sitzen auf dem Sattel das gestreckte Bein das Pedal erreichen sollte. Außerdem muss der Lenker höher eingestellt sein als der Sattel. Es sollte ein niedriger Gang gewählt werden. „Es ist besser für die Gelenke, mit wenig Widerstand schnell zu treten als langsam gegen einen großen Widerstand“, sagt Dr. Scheuerer.

Schwimmen. Schwimmen macht nicht nur fit und schlank, sondern schont gleichzeitig die Gelenke. Denn im Wasser ist der Mensch durch den Auftrieb nicht so schwer wie an Land. Die schöne Folge: Das Wasser trägt den ganzen Körper, man fühlt sich so leicht wie eine Feder. Vor allem Kraul- und Rückenschwimmen ist gut bei Kniearthrose oder Hüftarthrose. Brustschwimmen belastet dagegen Knie- und Hüftgelenk.

Gymnastik. Gymnastik ist weder altmodisch noch langweilig. Immer mehr Sportstudios bieten verschiedenste Formen von Gymnastik an. Das Training wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus, baut Stress ab und stärkt die Muskeln. Zudem verbessert regelmäßige Gymnastik sowohl die Koordinationsfähigkeit als auch die Körperkontrolle.

Tanzen. Tanzen macht den meisten Menschen Spaß. Die Musik sorgt für gute Laune, seelische Belastungen verschwinden, das Selbstbewusstsein steigt. Außerdem beugt es Krampfadern und Rückenproblemen vor. Es gibt für Menschen mit Knie- oder Hüftarthrose also keinen Grund, auf das Tanzen zu verzichten.

Rudern. Sportwissenschaftler zählen Rudern zu den gesündesten Sportarten. Rudern steigert in erster Linie die Kondition und wirkt aufgrund des komplexen Bewegungsablaufs positiv auf die koordinativen Fähigkeiten. Aber auch alle wichtigen Muskelgruppen wie Bauch, Beine, Rücken oder Arme werden kräftig beansprucht. Damit der Körper vom Rudern optimal profitiert, sollte sich der Sportler die Technik vorher erklären lassen oder in einem Verein trainieren.

Achtung: Immer auf den eigenen Körper hören. Schmerzen sind Warnsignale und dürfen nicht ignoriert werden. Bei Schmerzen besser vorübergehend auf Sport verzichten!

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