Tinnitus – lästiges Klingeln im Ohr

Tinnitus hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt. Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland hören ständig ein Brummen, Zischen und Klingeln im Ohr. Viele Betroffene leiden extrem unter der Krankheit. Das Leben kann zur Qual werden.

Entspannung hilft bei Tinnitus Der Natur lauschen - im Rahmen der Therapie lernt der Tinnitus-Patient, sich mal auf andere Sachen zu konzentrieren

Für Außenstehende ist es oft kaum nachvollziehbar, wie es Tinnitus-Patienten geht. Wenn Sie nicht selbst betroffen sind: Stellen Sie sich einfach einmal vor, bei Ihnen würde ständig ein LKW vor der Tür vorbeidüsen. Selbst wenn Sie sich ein Kissen auf die Ohren legen, verschwindet der nervtötende Lärm nicht. Auch Ohrstöpsel bringen nichts. Und diesen Lärm hören Sie von morgens bis abends, Tag für Tag, Woche für Woche – im schlimmsten Fall Jahr für Jahr.

Das Problem bei Tinnitus: Es gibt nicht eine einzige Erklärung für den Ausbruch der Krankheit, sondern ausgesprochen viele. Mögliche Ursachen sind ein Hörsturz, eine Durchblutungsstörung des Innenohrs, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, Lärm, Medikamente oder Umweltgifte. Auch Stress und Schlafstörungen spielen eine Rolle.

Individuelle Behandlung ist extrem wichtig

Da es so viele Ursachen für Tinnitus gibt, muss die Behandlung auch perfekt auf den Patienten zugeschnitten sein. Es muss genau geschaut werden, wo das Problem ist. Suchen Sie einen Arzt, der sich Zeit für Sie nimmt, der Sie berät und Ihnen alles ganz genau erklärt.

Anlaufstelle bei Hörgeräuschen ist zunächst immer der Hals-Nasen-Ohrenarzt. Er sollte einen gründlichen Hörtest mit dem Patienten machen. Dabei kann man feststellen, welcher Teil des Ohres überhaupt betroffen ist. Erstaunlich: Oft ist das Ergebnis, dass der Patient einfach nicht mehr so gut hört wie früher – völlig unabhängig von dem Tinnitus-Geräusch. In solchen Fällen hilft oft ein Hörgerät. Im besten Fall verschwindet das Tinnitus-Geräusch beziehungsweise wird als nicht mehr so stark wahrgenommen.

Infusionen können helfen

Bei einem akuten Tinnitus (innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen nach Auftreten des Geräusches) empfehlen sich Infusionen mit blutverdünnenden Mitteln, denn häufig wird der Tinnitus durch eine Durchblutungsstörung im Innenohr ausgelöst. Durch die Infusionen können selbst kleinste Gefäße besser mit Blut versorgt werden. Zusätzlich zur Infusion sollte Kortison gegeben werden, denn Studien zeigen, dass nur dann die Infusionen abschwellend und entzündungshemmend wirken. Ebenfalls gut bei akutem Tinnitus: eine Sauerstoff-Therapie: In einer Überdruckkammer werden die Patienten mit konzentriertem Sauerstoff versorgt. Das verbessert die Versorgung des Innenohrs.

Bei chronischem Tinnitus geht es in erster Linie darum, dass der Patient lernt, mit den Ohrgeräuschen besser umzugehen. Eine Heilung ist bei Tinnitus kaum möglich. Wer das verspricht, ist unseriös. Das Problem: Es ist für die Patienten sehr schwer, damit klar zu kommen, dass sie eine Krankheit haben, mit der man sich irgendwie arrangieren muss. So steht bei einer seriösen Tinnitus-Behandlung die Psyche des Patienten im Mittelpunkt. Viele Patienten leiden unter Depressionen, denn sie denken an nichts anderes mehr als an ihre Krankheit. Der Patient muss lernen, den Tinnitus zu akzeptieren. Die Betroffenen schenken dem Tinnitus schlichtweg zuviel Aufmerksamkeit, wodurch sich das Problem selbst verstärkt.

Lernen, das Geräusch nicht zu beachten

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man den Patienten dauerhaft von den Ohrgeräuschen ablenken kann: Bei der Hörtherapie soll die Konzentration des Patienten auf Außengeräusche (Vogelgezwitscher, Musik oder Gespräche) gelenkt werden. Bei dem Tinnitus-Retraining (TRT) lernt das Gehirn mit einem so genannten Noiser (Gerät, das ein angenehmes Hintergrundrauschen im Ohr erzeugt) die Tinnitusgeräusche zu ignorieren. Durch solche Behandlungen rückt das Tinnitusgeräusch immer mehr in den Hintergrund. Es ist zwar am Ende immer noch da, verliert aber seine Bedeutung.

Auch wichtig: Stress vermeiden. Sehr erfolgreich sind bei Tinnitus auch begleitende alternative Maßnahmen, wie die Muskelentspannung nach Jacobsen oder Autogenes Training. Besser ist es natürlich, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Eine gesunde Lebensweise ist die beste Vorbeugung vor Tinnitus. Gönnen Sie sich also rechtzeitig genug Ruhepausen, bevor es irgendwann zu spät ist. Das gilt nicht nur für Ihren Körper, sondern ganz explizit auch für Ihre Ohren. Auch die „Lauscher“ brauchen Ruhe. Schalten Sie nach einem anstrengenden Tag also nicht gleich Fernseher oder Radio an, sondern genießen Sie mal die Stille. Sie werden schnell merken, wie gut es Ihnen geht.

Magnetimpulse gegen den „Mann im Ohr“

Es gibt ein neues Behandlungsverfahren gegen Tinnitus. Tinnitus ist in vielen Fällen ein Phänomen, das sich durch eine Fehlverarbeitung von Höreindrücken im Gehirn ausbildet. Diese fehlgeleiteten Anpassungsvorgänge verselbständigen sich und werden offensichtlich abgekoppelt, ähnlich wie beim Phantomschmerz nach einer Amputation. Der Übergang zwischen dem Schläfen- und Scheitellappen ist ein entscheidender Teil des Gehirns, der an der Tinnituswahrnehmung mitwirkt. Es handelt sich dabei um eine Gehirnregion, in der auch Töne und Sprache verarbeitet werden. Wenn dieses Zentrum aktiv ist, senden die daran beteiligten Zellen ununterbrochen fehlerhafte Signale aus. In einer Studie wurde nun gezeigt, dass diese ständige Signalgebung abgeschwächt und gehemmt werden kann – und zwar mit der sogenannten Transkraniellen Magnetstimulation (TMS). Die aktiven Zellen bekommen von außen eine im Grunde unsinnige Serie von Impulsen aufgezwungen, eine Art Störsignal. Dadurch wird das zunächst geplante Signal, das zum Tinnitus führt, verhindert. Im Klartext: Der pfeifende „Mann im Ohr“ verstummt.

 

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