Depressive Verstimmung – das hilft

In der kalten Jahreszeit kann der Lichtmangel zu einer Winterdepression führen. Manchmal hält die schlechte Stimmung etwas länger an. Gut zu wissen: Dagegen können Sie etwas tun! Hier die besten Tipps.

frische Luft macht fit. frische Luft kann bei chronischer Müdigkeit helfen

Depressiv ist jeder einmal. Fachleute nennen das „depressive Verstimmung“ – und die gehört zum Leben dazu wie Glücksgefühle oder „Schmetterlinge im Bauch“. Wie eine Umfrage ergab, kennt jeder Zweite jemanden, der wegen Depressionen schon einmal in Behandlung war. Viele Menschen leiden vor allem im Winter unter Stimmungstiefs.

Die Winterdepression ist eine saisonal abhängige Depression (SAD), die jährlich wiederkommend in der dunklen Jahreszeit auftritt: Sie beginnt in den Herbstmonaten und endet wieder in den Frühjahrsmonaten. In dieser Zeit klagen die Betroffenen über Energielosigkeit und übermäßige Traurigkeit. Sie haben mehr Appetit, vor allem auf Süßes, und nehmen auch zu. Zudem haben sie das Bedürfnis, mehr zu schlafen, und es fällt ihnen schwer, aus dem Bett zu kommen. Oft werden auch die sozialen Kontakte vernachlässigt.

Der Mangel an natürlichem Tageslicht, die verminderte Lichtintensität im Winter gemeinsam mit den kürzeren Tagen und den abfallenden Temperaturen gelten als Auslöser. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Botenstoff Serotonin, der im Gehirn Nachrichten weiterleitet, eine entscheidende Rolle bei der Entstehung einer Winterdepression spielt. Diese Annahme gründet sich auf die Erfahrung, dass Medikamente gegen Depressionen, welche die Serotoninwirkung im Gehirn steigern, eine Winterdepression bessern können.

Noch bis in den März hinein können Stimmungstiefs auftreten. Der menschliche Körper ist kein Computer. Und das Wetter und die Lichtverhältnisse ändern sich auch nicht von heute auf morgen, sondern allmählich. Kein Wunder also, dass die Winterdepressionen nicht schlagartig auf Knopfdruck aufhört.

Das ist auch normal – so lange sie nicht überhand nehmen. Wichtig: Wer ständig deprimiert und antriebslos ist, sich immer mehr zurückzieht, die alltäglichen Dinge des Lebens kaum geregelt bekommt, sollte einen Arzt um Rat fragen. Es könnte sich auch um eine richtige Depression handeln. Mit Hilfe von Psychotherapie und/ oder Antidepressiva können Depressionen gut behandelt werden. Der Hausarzt, ein Facharzt (Psychiater oder Nervenarzt) oder ein psychologischer Psychotherapeut sind die richtigen Ansprechpartner.

Wichtig zu wissen: Das Wetter allein wird kaum eine langfristige depressive Verstimmung herbeiführen. Nur selten liegt eine einzige Ursache zu Grunde. Meist ist es das Zusammenspiel verschiedener Einflüsse: Zum Beispiel einschneidende Erlebnisse wie der Verlust des Arbeitsplatzes, das Auseinanderbrechen einer Partnerschaft, der Tod eines geliebten Menschen oder auch eine schwerwiegende Erkrankung. Die daraus entwickelte Belastung führt bei vielen Menschen dazu, dass sich das Gehirn vor einer weiteren Stressüberlastung schützt und seinen Stoffwechsel ändert.

Das passiert im Körper: Die Schaltstelle für Gefühle im Gehirn heißt Hypothalamus. In Gefahrensituationen schüttet dieses Kontroll- und Steuerungsorgan vermehrt ein Hormon aus. Das Hormon sorgt dafür, dass im Körper das Stresshormon Cortisol freigesetzt wird. Cortisol strömt daraufhin in den Blutkreislauf und signalisiert dem ganzen Körper: „Achtung Alarmbereitschaft – Gefahr!“ Unter Normalbedingungen gibt das Cortisol nach überstandener Gefahr gleichzeitig die Rückmeldung an das Gehirn, die Ausschüttung der Hormone zu stoppen – der Stresszustand ebbt wieder ab. Bei Menschen mit einer depressiven Störung ist dieser Rückkopplungseffekt des Cortisols gestört. Der Körper wird von Stresshormonen überflutet und ist ständig in Alarmbereitschaft. Dieser Dauerstress wirkt sich negativ auf den Nervenstoffwechsel des Gehirns aus. Die Anzahl der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin wird stark verringert, wodurch dann die Symptome einer depressiven Verstimmung entstehen.

Übrigens: Depressive Verstimmung ist etwas anderes als schlechte Laune. Normale Stimmungsabfälle kommen und gehen – depressive Verstimmungen dauern länger an. Kurzzeitig deprimierte, bedrückte Stimmungen können das Lebensgefühl zwar deutlich beeinträchtigen, doch sie werfen niemanden aus der Bahn. Eine depressive Verstimmung ist dagegen eine allgemeine seelische und körperliche Niedergeschlagenheit, die über das Ausmaß und die Dauer eines normalen Stimmungstiefs deutlich hinausgeht.

Depressive Verstimmungen können sehr gut mit natürlichen Mitteln behandelt werden. Oft ist eine Kombination verschiedener Dinge empfehlenswert. Suchen Sie sich die Tipps heraus, die Ihrem Naturell am besten entsprechen. Wichtig: Lieber am Anfang weniger vornehmen und das auch durchhalten.

Bewegung an frischer Luft

Ihr Körper braucht viel natürliches Tageslicht. Auch wenn die Sonne nicht vom Winterhimmel strahlt, wird noch genug Helligkeit ins Gehirn gemeldet, um die trübe Stimmung aufzuhellen. Hinzu kommt, dass Bewegung allein schon antidepressiv und Angst lösend wirkt. Beim Sport werden Glückshormone freigesetzt. Gute Sportarten: Rad fahren, Langlaufen, Spaziergänge.

Entspannungs-Bäder

Eine wahre Wohltat sind Bäder mit hochwertigen Zusätzen. Wer sich sehr schlapp fühlt und den Kreislauf eher anregen will, benutzt am besten Badeöle mit Rosmarin oder Zitrusfrüchten. Bäder mit Melissen- oder Lavendelöl beruhigen vor allem ebenfalls die Nerven. 20 g (1 Esslöffel) des Öls mit Sahne verrühren. Dann ins Badewasser geben. Wählen Sie die Temperatur so wie es Ihnen angenehm ist – nicht zu heiß. Am besten 20 bis 30 Minuten in der Badewanne liegen – und nicht zu spät am Abend. Dann können Sie gut einschlafen. Da auch die Seele mit badet, lohnt es sich, auch für eine gute Atmosphäre im Badezimmer zu sorgen. Machen Sie doch mal während des Bades eine Kerze an und legen Ihre Lieblingsmusik auf. Sie werden sehen: Das wirkt Wunder!

Sich verwöhnen

Gönnen Sie sich doch mal eine Haarkur oder gar eine Gesichtsmaske. Geeignet sind im Winterhalbjahr vor allem Feuchtigkeitsmasken. Denn durch die kalte Witterung wird die Haut leicht angegriffen. Was besonders gut die Stimmung von Frauen an trüben Tagen hebt: Bringen Sie etwas Farbe in Ihr Gesicht! Ein Hauch Rouge lässt Sie im Handumdrehen frischer aussehen. Schminken Sie sich auch die Lippen in einer fröhlichen Farbe, und probieren Sie vor dem Spiegel aus, welche Blusen, Blazer und Tücher Ihnen am besten stehen und außerdem die Laune heben. Alles was düster wirkt, am besten aussortieren.

Kneipp-Anwendungen

Eine Studie zeigt, dass Wasseranwendungen nach Kneipp die Stimmung heben und man besser einschlafen kann. Gut ist vor allem der Knieguss. So geht’s: Nehmen Sie den Duschkopf ab und lassen Sie einen glatten Strahl wie aus einer Gartengießkanne kaltes Wasser über das Bein laufen. Und zwar zuerst den rechten Fuß außen hinten hoch bis zur Kniekehle. Dann zum Fuß runter und nochmals hoch, diesmal bis über die Kniescheibe, dort 5 Sekunden verbleiben und wieder zum Fuß. Anschließend ist das linke Bein dran. Zum Schluss werden die Fußsohlen begossen. Wichtig: Nur die Fußsohle abtrocknen, die Beine nicht. Das Wasser sollte nur leicht abgestreift werden. Legen Sie sich dann so ins Bett. Sie werden zügig einschlafen, denn das Blut wurde diese Maßnahme vom Kopf weg in die Füße geleitet. Das macht den Körper müde. Wer Probleme mit dem Einschlafen hat, sollte es man mit den Kneipp´schen Socken probieren. Ein Paar Baumwollsocken wird in kaltes Wasser getränkt und gut ausgewrungen über die warmen Füße angezogen (wasserdichte Unterlage zuvor an das Fußende des Bettes legen). Evtl. warme Wollsocken darüber ziehen oder Handbuch umlegen. Meist verbleiben die Socken die ganze Nacht.

Lesen und Musik

Genauso entspannend ist es, wenn Sie sich einfach in Ihrem Lieblingssessel nieder lassen und ein gutes Buch lesen oder Musik hören. Am besten servieren Sie sich dazu eine Tasse Wellnesstee. Je nach Inhalt wirkt der Tee entspannend oder anregend. Ein Strauß Blumen bringt zusätzlich Duft und Farbe ins Zimmer.

Tees für die Nacht

Wer abends schlecht einschlafen kann, könnte es mal mit Baldriansaft (Apotheke) probieren. Sie sollten den Saft über mehrere Wochen dreimal täglich einnehmen. Gut sind auch „Nervenschlaftees“, die ebenfalls in der Apotheke erhältlich sind. Diese fertigen Tee-Mischungen bestehen aus Baldrian, Hopfen und Melisse.

Aromatherapie

Düfte gelangen über Millionen von Riechnervzellen in unserer Nasenschleimhaut direkt ins Gehirn. Genauer gesagt ins limbische System, die Stelle, die für die Gefühle zuständig ist. Die Duftstoffe können offenbar bewirken, dass bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet werden. Hierzu gehören vor allem die Endorphine, Serotonin und Noradrenalin. Endorphine wirken schmerzstillend und erheiternd. Serotonin beruhigt und entspannt. Noradrenalin regt an und macht wach. Das bedeutet: Je nach Duftnote können Sie ruhiger und entspannter oder angeregter und wacher werden. Entspannende Düfte sind: Bergamotte, Lavendel, Rose, Jasmin, Melisse und Sandelholz. Wer eher ein bisschen aufgemuntert werden will, sollte es mal mit erfrischenden Düften wie zum Beispiel Zitrone oder Myrte probieren. Sie wissen nicht, welcher Duft am besten für Sie ist? Vertrauen Sie einfach Ihrer Nase! Schnuppern Sie an verschiedenen Düften und entscheiden Sie dann vom Gefühl her, welcher Duft Ihnen am meisten zusagt. Dieser Duft ist dann garantiert auch der Richtige für Sie!

Homöopathie

Auch die berühmten Globulis sollen bei depressiven Verstimmungen helfen können. Causticum ist das Mittel der Wahl, wenn der Kummer überhand nimmt. Es wird aus Marmorkalk und Kalium hergestellt und hellt die Stimmung wieder auf. Auch Ignatia, die Ignazbohne, kann wieder zu Optimismus verhelfen. Ignatia hat eine starke Wirkung auf die Nerven. Es eignet sich vor allem dann, wenn der Kummer erst seit kurzem besteht und man ein Kloßgefühl im Hals hat. Natrium chloratum ist homöopathisch aufbereitetes Kochsalz. Besonders Menschen, die schon seit längerer Zeit Kummer haben, profitieren von diesem Mittel. Die Sorgen haben sich tief ins Gehirn eingegraben. Den zugefügten Schmerz kann man nicht mehr vergessen.

Dosierung: Alle Mittel nimmt man in der Dosierung D 12. Zweimal täglich einnehmen. Erwachsene 5 Kügelchen, (Kinder 3 Kügelchen). Insgesamt drei Wochen.

Gesunde Ernährung

Um es vorweg zu sagen: Es darf ab und zu zur Schokolade gegriffen werden. Schokolade fördert die Bildung von Serotonin und hebt dadurch die Stimmung. Schokolade regt im Gehirn auch die körpereigene Produktion von Opioiden an, so genannten Endorphinen. Sie werden als „Glückshormone“ bezeichnet. Als dauerhafter „Seelentröster“ taugt der süße Stoff natürlich nicht. Dafür hat Schokolade viel zu viele Kalorien. Studien zeigen aber: Es gibt Ernährungsformen, mit denen sich gegen schlechte Laune und Depressionen ankämpfen lässt. Eine eiweißarme und kohlenhydratreiche Kost macht langfristig fröhlicher und ausgeglichener. Das heißt: viel Obst und Gemüse, aber wenig Käse und Fleisch essen. Eine Sonderstellung hat Fisch: Untersuchungen mit Fisch und Fischölen haben gezeigt, dass sich damit sogar schwere Depressionen lindern lassen – geheilt werden können sie damit allerdings nicht.

Massage

Kaum etwas eignet sich so gut zur Entspannung wie eine Massage. Egal ob Sie von Ihrem Partner, einer Freundin oder einem professionellen Masseur massiert werden – Sie werden sich dabei wohl fühlen. Duftöle erleichtern es, über die Haut zu gleiten. Übrigens: Nicht nur Schulter und Rücken sollten massiert werden. Auch eine Kopfmassage kann Spannungen lösen. Ihr „Masseur“ führt am besten kleine, kreisförmige Bewegungen über Gesicht, Stirn und Schläfen aus.

Lichttherapie

Einige Patienten mit Winterdepression sprechen auf eine Lichttherapie an: Der Patient sitzt zwei Wochen lang täglich vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang jeweils maximal eine Stunde vor einem Lichtgerät mit etwa 2.500 Lux (Lux ist die internationale Einheit für die Beleuchtungsstärke). Dadurch wird der Tag künstlich verlängert. Mit einer stärkeren Lichtwand von 10.000 Lux sind 30 Minuten am Tag ausreichend. Schon nach einigen Tagen kann es zur Stimmungsaufhellung kommen.

Entspannungsverfahren

Ob Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen – Entspannungsverfahren sind gerade für Menschen mit depressiven Verstimmungen zu empfehlen. Körper und Seele kommen zur Ruhe. Alles entspannt sich. Die Welt sieht oft hinterher ganz anders aus. Übrigens: Krankenkassen oder Sportvereine bieten entsprechende Kurse an. Erkundigen Sie sich doch einfach mal.

Freunde und Verwandte

Ganz wichtig für das Wohlbefinden sind soziale Kontakte. Dabei ist es egal, ob Sie sich mit einer guten Freundin treffen oder mit einem Verwandten – Hauptsache Sie fühlen sich wohl. Nehmen Sie sich die Zeit, sich ein gutes soziales Netz aufzubauen. Es gibt viele Möglichkeiten, neue Menschen kennen zu lernen, zum Beispiel in der Volkshochschule.

Johanneskraut kann helfen

Studien zeigen: Depressive Verstimmungen können sehr gut mit Johanneskraut behandelt werden. Untersuchungen zeigen: Hoch dosiertes Johanniskraut ist genauso wirksam wie chemische Antidepressiva. Empfehlenswert ist die tägliche Einmalgabe von 900 mg hochwertigem Johanniskrautextrakt.

Johanniskraut stabilisiert das bei depressiven Verstimmungen gestörte Gleichgewicht des Hirnstoffwechsels. Es fördert die Anreicherung von Botenstoffen für positives Denken und für einen stärkeren Antrieb. Johanniskraut hellt die Stimmung auf, regt zu mehr Aktivitäten an und verbessert den Schlaf.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*