Die Pigmentzell-Transplantation: neue Behandlung von Vitiligo

Weiße Flecken im Gesicht, am Hals oder an den Armen – rund eine Million Menschen leiden in Deutschland an Vitiligo, auch Weißfleckenkrankheit genannt. Oft ist die Lebensqualität der Betroffenen stark eingeschränkt, der Leidensdruck sehr hoch. Eine neue Behandlungsmethode macht jetzt neue Hoffnung: die „Haut zum Sprühen“. Bei der Pigmentzell-Transplantation werden neue Zellen direkt auf die Haut gesprüht. Die weißen Flecken verschwinden dauerhaft.

Dank einer neuen Behandlungsmethode kann Vitiligo nun behandelt werden

Manche starren, einige gucken nur verdutzt und andere Passanten fragen sogar direkt, woher denn die weißen Flecken im Gesicht kommen – für viele Patienten mit Vitiligo ist das nerviger Alltag. Häufig wird Vitiligo als kosmetisches Problem abgetan. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Hauterkrankung. Ansteckend ist diese nicht.

Bei Vitiligo arbeiten die Pigmentzellen der Oberhaut nicht mehr so wie sie sollten. Eigentlich sind diese Zellen dafür da, das Hautpigment (Melanin) zu produzieren. Nur dank dieser Pigmentzellen kann die menschliche Haut eine hellbraune oder braune Farbe erlangen.

Liegt eine Störung der pigmentbildenden Zellen zugrunde, können diese Pigmentzellen (Melanozyten) keinen Farbstoff mehr bilden. Bei den Betroffenen entstehen scharf begrenzte weiße Flecken auf der Haut. Diese fallen nach Sonnenkontakt besonders auf, da sich durch die Sonne die gesunden Hautareale bräunen (pigmentieren) und die befallenen Stellen weiß (depigmentiert) bleiben.

Es gibt verschiedene Theorien, wie die Vitiligo ausgelöst werden kann. Wahrscheinlich ist eine fehlgeleitete Immunreaktion eine der Hauptursachen für die Entstehung der Krankheit. Es bilden sich körpereigene Antikörper gegen die Pigmentzellen. Diese werden dadurch zerstört. Aber auch andere mögliche Ursachen werden von Wissenschaftlern noch diskutiert. So könnten zum Beispiel Sauerstoffradikale oder auch eine Fehlfunktion des Stoffwechsels für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich sein. Dabei besteht ein Ungleichgewicht von bestimmten Enzymen in den Pigmentzellen und „Abfallstoffen“ der Pigmentbildung mit der Folge der Selbstzerstörung der Pigmentzellen.

Jeder kann irgendwann davon betroffen sein, die Krankheit kann in jedem Lebensabschnitt unabhängig von Geschlecht und Hautfarbe ausbrechen. Besonders häufig geschieht dies zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr. In etwa 50% der Fäl­le tritt die Erkrankung vor dem zwanzigsten Lebensjahr auf.

Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden bei Vitiligo. Doch bei einigen Patienten schlagen die bisherigen Therapien nicht oder kaum an. Jetzt gibt es neue Hoffnung durch ein innovatives Verfahren: die Pigmentzell-Transplantation, oft auch einfach „Haut zum Sprühen“ genannt. Dieses Verfahren wurde ursprünglich zur Behandlung von Verbrennungen, Narben und zur Verbesserung der Wundheilung eingesetzt.

Bei der Pigmentzell-Transplantation werden Pigmentzellen aus gesunder Haut entnommen und auf die zu behandelnden Vitiligostellen aufgetragen. Dort wachsen die neuen Pigmentzellen an und die zuvor weiße Haut kann endlich eine bräunliche Farbe bilden.

Das neue Verfahren kommt sowohl für weiße Stellen im Gesicht als auch am Hals, an den Armen oder am Rumpf in Frage. Die zu behandelnden Areale können unterschiedlich groß sein. Es wird vorher genau berechnet, wie viele neue Pigmentzellen wir für die von Vitiligo betroffenen Hautstellen brauchen. Selbst für ein kleines Areal benötigt man hunderttausende neue Zellen.

Für die eigentliche Transplantation wird dem Patienten zunächst seitlich am Gesäß unter örtlicher Betäubung eine sehr dünne Hautschicht entnommen. Aus diesem Hautstück werden sofort die Melanozyten isoliert und zu einer Pigmentzell-Lösung verarbeitet.  Gleichzeitig müssen nun die zu behandelnden Vitiligostellen des Patienten auf die Transplantation vorbereitet werden. Damit die Haut die neuen Zellen gut annehmen kann, trägt das Ärzteteam die oberste Hautschicht mittels Laser sanft ab. Auch dies erfolgt in lokaler Betäubung.

Nun kann die verarbeitete Pigmentzell-Lösung auf die zu behandelnden Vitiligostellen aufgetragen werden. Zum Abschluss wird das Areal mit einem Spezialverband für wenige Tage ruhig gestellt. Beim nächsten Arzttermin wird dieser Verband vorsichtig entfernt.

Damit die neuen Pigmentzellen den braunen Farbstoff jetzt möglichst zügig bilden, empfiehlt es sich, mehrmals pro Woche eine UV-Bestrahlung durchzuführen.  Hierzu kommt die sog. Schmalband-UVB-Therapie mit einer Wellenlänge von 311 nm zur Anwendung. Nach drei bis sechs Monaten entwickeln sich im Allgemeinen sichtbare Pigmente.

Die Pigmentzell-Transplantation eignet sich für alle Patienten mit einer so genannten stabilen Vitiligo. Das bedeutet: Die weißen Stellen sollten sich seit mindestens zwölf Monaten nicht mehr in Größe oder Form verändert haben.

Die Behandlung wird bislang noch nicht von den gesetzlichen oder privaten Krankenkassen bezahlt. Die Kosten richten sich nach der Größe der zu behandelnden Fläche. Beispiel: Eine Pigmentzell-Transplantation für die Wangen kostet etwa 1500 Euro. Das Gerät für die Heimbestrahlung als Nachbehandlung kann gemietet werden.

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